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Bitcoin ist als Energiefresser umstritten

In Island benötigen Bitcoin-Hersteller bald mehr Energie als die dortigen Haushalte. Der Bitcoin-Verband verweist dagegen auf große Einsparpotenziale durch den Einsatz von Blockchain. Zudem verbrauche auch der Bargeldverkehr viel Energie.

"Was wir jetzt sehen, kann man fast als exponentielles Wachstum des Energieverbrauchs von Rechenzentren bezeichnen", sagte Johann Snorri Sigurbergsson, ein Sprecher des isländischen Energieunternehmens HS Orka, dem britischen Fernsehsender BBC. Grund des hohen Energieverbrauchs sei, dass sich immer mehr Rechenzentren, darunter sogenannte "Miner", in Island ansiedeln wollten. Es gebe eine hohe Anzahl von Kundenanfragen, sagte Sigurbergsson.

"Wenn all diese Projekte realisiert werden, haben wir nicht genug Energie dafür." Unter Mining wird die Herstellung von Bitcoins verstanden. Hierbei führen die "Miner" hochkomplexe Rechenoperationen durch und erhalten dafür frische Bitcoins. Sigurbergsson veranschlagt den jährlichen Stromverbrauch der Bitcoin-Miner auf 840 GWh – verglichen mit veranschlagten 700 Gigawattstunden, die pro Jahr durch die isländischen Haushalte verbraucht würden.

Bitcoin nur ein Synonym

Der Verband Bitcoin Deutschland betont, dass der Bericht dahingehend irreführend ist, dass es sich hierbei nur um Bitcoins handelt. Bitcoin stünden hier vielmehr als Synonym für mittlerweile über 1500 verschiedene Kryptowährungen, so dass sich der Stromverbrauch verteilt und nicht nur Bitcoin zugerechnet werden kann, sagt der Vorstand Oliver Flaskämper der ZfK auf Anfrage.

Flaskämper argumentiert zudem, dass die Blockchain-Technologie, die aktuell in vielen Bereichen getestet werde, vermutlich nur einen Bruchteil der Energie von Kryptowährungen benötigen werde. Hintergrund sei, dass es sich hier meist um geschlossene Systeme mit einer überschaubaren Anzahl von Teilnehmern handle, so dass die Absicherung der Systeme vor Angriffen durch eine große Rechenkapazität hier nicht erforderlich sein werde.

Bessere Hardware verbraucht weniger Strom

Darüber hinaus verweist der Verbandsvorstand auf technologische Weiterentwicklung: „Diese wird dafür sorgen, dass zukünftige Hardware immer leistungsfähiger wird und gleichzeitig weniger Strom verbraucht.“ Diese Tendenz könne man ja gut in anderen Bereichen beobachten.

Flaskämper sieht zudem den Bedarf, die Angaben zu relativieren. Schließlich dürfe man bei der Rechnung nicht unberücksichtigt lassen, dass die Herstellung, Transport, Bereitstellung und Recycling von Bargeld ebenfalls enorme Energiemengen und Ressourcen verbraucht würden. „Diese Energie wird meistens nicht klimaneutral erzeugt“, betont er.

Potenzial Stromhandel zu revolutionieren

Im Bezug auf Island sei aber zu erwähnen, dass dort ausschließlich Strom aus regenerativen Energien erzeugt werde, so dass die Berechnung von Kryptowährungen hier praktisch klimaneutral erfolge. „Rund 73 Prozent der Energie in Island wird durch Wasserkraft erbracht sowie knapp 27 Prozent durch Geothermie erzeugt“, so Flaskämper.

Der Verbandsvorstand sieht in der Energiebranche großes Potenzial für Blockchain. Hier gebe es bereits diverse Projekte. „Meistens geht es darum, die Abrechnung zu vereinfachen und dabei die Transparenz zu erhöhen“, so Flaskämper. Als Beispiel nennt er der Einsatz von Smart-Contracts auf Ethereum-Basis zur Abrechnung im Fall von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Zudem könnte die Blockchain bei der Zertifizierung von Ökostrom zum Einsatz kommen und habe das Potenzial, „natürlich den Stromgroßhandel zu revolutionieren“. (mn/dpa)