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Blockchain: Vorteil Prozesskostensenkung

Blockchain kann künftig eine wichtige Infrastrukturtechnologie für die Energiewirtschaft sein. Doch es gibt auch noch etliche Baustellen.

Kaum ein Thema elektrisiert derzeit die Branche so stark wie Blockchain. Dies zeigte sich auch auf einer Dena-Veranstaltung am Freitag in Berlin. Doch wurde klar, dass viele Anwendungen erst ganz am Anfang stehen und es noch etliche Baustellen wie den Datenschutz, die Datensicherheit, die Interkompatibilität oder den hohen Energieverbrauch des "Mining" zur Verifizierung von Transaktionen von Kryptowährungen gibt.

"Das Problem ist erkannt, es geht in Richtung Energieeinsparung", sagte Jens Strüker, Geschäftsführer des Instituts für Energiewirtschaft der Hochschule Fresenius. Er bescheinigt Blockchain das Potenzial bis in zehn Jahren eine "neue wichtige Infrastrukturtechnologie" für die Energiewirtschaft zu sein, wenn vor allem das Problem der Interkompatibilität gelöst sei. Doch die Entwicklung schreite ja rasend schnell voran und man dürfe nicht vergessen, dass die Technik noch sehr jung sei. "Bis in zehn Jahren werden wir viele neue Anwendungen sehen", prognostiziert Strüker. Unter anderem sieht er die Prozesskostensenkung für die Energiewirtschaft als "sehr interessant" und er warb auch für die Nutzung von Blockchain beim Aufbau eines Marktstammdatenregisters.

Viele Vorteile für Prosumer – doch Datenhohheit wahren

Grundsätzlich positiv sieht auch Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband die Blockchain. Vor allem für Prosumer biete die Technologie viele Vorteile. "Doch es muss die Datenhohheit gewahrt werden und die Anwendung muss auch für diejenigen Verbraucher Vorteile bieten, die keine Prosumer sind", forderte Engelke. Zudem müsse das Problem des hohen Energieverbrauchs schnell angegangen werden.

Manfred Lochter vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht noch diverse offene Fragen bei der Blockchain. Unter anderem gelte, es die Langzeitsicherheit beim Datenschutz zu gewährleisten. Hierbei gehe es auch um die Frage des Nutzerzugriffs auf Daten, die nach einiger Zeit nicht mehr verarbeitet werden. Jedenfalls möchte sich das BSI verstärkt mit der neuen Technologie beschäftigen und seit Anfang Februar liegt ein Eckpunktepapier der Behörde zur sicheren Gestaltung der Blockchain mit einigen allgemeinen Grundsätzen vor.

Mehr Mut und weniger Bedenkenträger

Mehr Mut und weniger Bedenkenträger wünscht sich dagegen Christoph Burger von der European School of Management and Technology in Berlin. Wenn Deutschland nicht stärker auf Blockchain und die Chancen der Dezentralisierung, nicht nur in der Energiewirtschaft setze, verliere es international den Anschluss. Dabei seien ja viele, international führende Blockchain-Entwickler in Berlin. Dieses Potenzial gelte es auch von politischer Seite aus viel stärker zu nutzen, sagte Burger im Gespräch mit der ZfK.

Philipp Richard, Teamleiter Energiesysteme und Digitalisierung bei der Dena, kündigte an, dass sich die Agentur verstärkt mit der Blockchain beschäftigen wird. So ist ein Projekt zu Blockchain in der integrierten Energiewende am Start. In einer Multistakeholder-Studie sollen die Einsatzfelder und Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain in der Energiewirtschaft herausgearbeitet werden. (hcn)