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Bild: Rheinenergie AG

Edna: "Weniger Regeln, dafür aber klare Vorgaben"

"Am Thema Smart Metering wird kein Versorgungsunternehmen vorbeikommen", heißt es u. a. bei einem Kamingespräch des Edna Bundesverbands.

„Die Energiewende ist der Schritt in die richtige Richtung, der Rest ist eine Herausforderung, die wir gerade nicht sehr intelligent lösen“ – dieser Satz von Prof. Gerd Heilscher von der Hochschule Ulm fasste den Verlauf der Diskussion auf dem zweiten Kamingespräch des EDNA Bundesverbands Energiemarkt & Kommunikation diese Woche beim Gastgeber Kisters AG in Aachen zusammen. Kritisiert wurde von den Teilnehmern auf dem Podium dabei vor allem die detaillierte Regelungswut des Gesetzgebers. „Es reichen einige wichtige Grundpostulate, um Marktanreize zu schaffen, die dazu beitragen, Smart Metering auch volkswirtschaftlich sinnvoll umzusetzen. Die Materie ist ohnehin zu komplex, um sie auf einmal und nur durch ein einziges Verordnungspaket des Gesetzgebers zu lösen“, meinte etwa der Verivox-Gründer und heutige Discovergy-Geschäftsführer Nikolaus Starzacher. Und Dr. Jens Ambrock vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holsten stellte fest: „Wir brauchen nicht mehr Regeln, das deutsche Datenschutzgesetz reicht völlig aus. Wichtig ist es, dass der Kunde Herr über seine Daten bleibt und Transparenz darüber erhält, welche Daten an wen übermittelt werden.“

Den Hoffnungen einiger Versorgungsunternehmen, irgendwie am Thema Smart Metering vorbeizukommen, erteilten die Podiumsteilnehmer eine eindeutige Absage. „Wir werden das bekommen, einfach schon deswegen, weil es da ist. Und wir können uns noch gar nicht vorstellen, was noch alles möglich werden wird“, so Prof. Dr. Horst Lichter von der RWTH Aachen zur künftigen Entwicklung. Den Einbau von Smart Metern auf Trafostationen zu beschränken, wie dies derzeit von manchen diskutiert wird, reicht auch für Prof. Heilscher nicht aus. „Schäden und die damit verbunden Kosten entstehen weiter draußen im Netz. Deswegen müssen wir auch genau dort intelligente Messgeräte haben“, so sein Credo.

„Eine wichtige Aufgabe ist es, die Intelligenz, die in den Übertragungsnetzen bereits vorhanden ist, als Template für die Verteilnetzebene zu nutzen. Dabei darf jedoch die internationale Integration der Stromversorgung ebenso wenig vergessen werden wie etwa die Kopplung der Sektoren Gas und Strom oder auch Wärme und Strom“, so Dr. Christian Nabe, Management Consultant bei Ecofys. Ein wichtiger Punkt sei dabei auch die Interoperabilität der beteiligten Systeme. „Es gibt heute fast 150 Sprachen, in denen ich den Wechselrichter einer Solaranlage ansprechen kann“ stellte Prof. Gerd Heilscher dazu fest.

Den Vorwurf, Smart Meter würden nur wenig zu einem effizienteren Umgang mit Energie beitragen, wies Nikolaus Starzacher zurück. Denn schon ohne große Zusatzmaßnahmen konnten seine Kunden in der Praxis Einsparungseffekte von 15 Prozent erzielen. „Wenn wir dazu echte variable Tarife hätten – etwa 0 Cent bei großem Energieüberschuss oder aber einem ganzen Euro bei einem echten Engpass – wären die Anreize noch sehr viel größer“. Moderator Bernd Mildebrath von der Schleupen AG fasst dies dann am Ende der Diskussion mit dem Satz zusammen. „Smarte Lösungen brauchen intelligente Technik!“ (up)