Energiedienstleister können das Vertragsmanagement und die plattformseitige Realisierung von Verträgen per Blockchain und Smart Contracts realisieren. Das erhöht die Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Wertestroms zwischen den Akteuren.
Bild: © blackboard/AdobeStock

Handeln ohne Mittelsmann

Welche Vorteile der Peer-to-Peer-Energiehandel mit sich bringt, erläutert Julian Vogel von der cronos Unternehmensberatung. Im Zusammenhang mit einer Plattform eröffnen sich hier neue Geschäftsfelder – so auch für Zukunftsthemen wie Smart City.

Die Dezentralisierung der Energieversorgung führt zu einem Wandel der Marktakteure – Konsumenten erzeugen Energie selbst mit Photovoltaik-, Windkraft- oder Biogasanlagen und werden so zum „Prosumer“. Ein solcher nimmt auch aktiv an der Wertschöpfungskette teil, indem er beispielsweise beim Energiehandel, dem Markt seine überschüssige Energie zur Verfügung stellt.

»Ein innovatives Geschäftsmodell, das insbesondere für Anlagen, die aus der Förderung der EEG-Umlage fallen, interessant sein wird, ist in diesem Zusammenhang der Peer-to-Peer Energiehandel«, sagt Julian Vogel, Berater bei cronos Unternehmensberatung. Peer-to-Peer (P2P) bezeichnet den direkten Austausch von Informationen, Waren oder Dienstleistungen zwischen zwei Akteuren ohne Mittelsmann. Im Energiemarkt bedeutet das, die Kunden kaufen ihren Strom direkt bei den Produzenten ein. Der klassische Stromlieferant wandelt sich somit zum Verwalter des Marktplatzes, wo Vertragsgestaltung- und Abwicklung realisiert werden.

Neue Tarife durch digitale Verträge

Für die Beteiligten entstehen hier Synergieeffekte. Der Produzent erzielt einen höheren Preis für seine kWh als an der Strombörse. »Ein neues Kundenerlebnis entsteht für den Kunden durch eine erhöhte Transparenz und die Wahl der tatsächlichen Stromherkunft. Der Energieversorger profitiert von einer stärkeren Kundenbindung und mehr Interaktionen auf der Kundenplattform«, erläutert Vogel. Weiterhin könnten in Zukunft neue Tarife durch flexible und digitale Verträge gestaltet werden.

Wer in der Branche schon auf P2P-Plattformen setzt

Beispiele für P2P-Plattformen sind die niederländischen Energieversorger Vandebron und Engie. In Deutschland gibt es Bayernwerk Regio Energie, Enyway, Lition und die Wuppertaler Stadtwerke mit Talmarkt. Hinzu kommen White-Label-Anbieter wie Lumenaza und Elblox. So hat EnviaM in jüngster Vergangenheit eine Kooperation mit Elblox zum Aufbau eines Online-Energiemarktplatzes gestartet.

Ähnlichkeit mit Kundenportallösungen

Insgesamt steigt die Anzahl von Strom-Communities in Deutschland. »Die Plattformen haben gemeinsam starke Ähnlichkeiten mit den Kundenportallösungen von klassischen Energieversorgern: Die Wahl der Erzeuger und die Verwaltung erfolgt genau wie in einem Kundenportal über ein Customer-Self-Service«, so Vogel.

Blockchain und Smart Contracts

Das Vertragsmanagement und die plattformseitige Realisierung von Verträgen würden durch Energiedienstleister, in diesem Sinne der Plattformbetreiber, mit der Schlüsseltechnologie Blockchain und Smart Contracts realisiert. Dadurch erhöhe sich die Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Wertestroms zwischen den Akteuren. Denn auf einer öffentlichen Blockchain sind alle Transaktionen für jeden einsehbar. Dadurch, dass die Blockchain auf mehreren Computern gespeichert wird, werde Ausfallsicherheit und Konsistenz der Daten gewährleistet.

Eine neue Transaktion muss vorher von mehreren Teilnehmern der Blockchain bestätigt werden. Das Prinzip wird auch als Konsensmechanismus bezeichnet. Neben dem energiehungrigen Verfahren Proof-of-Work existieren auch andere energieeffiziente Mechanismen wie Proof-of-Stake. Diese Konsensmechanismen ermöglichen im Vergleich deutlich mehr Transaktionen pro Sekunde und sind für Bezahlungen mit kleinen Beträgen geeignet. Smart Contracts – sogenannte digitale Verträge – werden ausgelöst, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. »Die Nachvollziehbarkeit der Transkationen auf der Plattform sollten nur für technikaffine Benutzer vorbehalten sein, um die Benutzerfreundlichkeit für Standardbenutzer nicht zu beinträchtigen«, rät Vogel.

Fundament für Zukunftsthemen

»Eine P2P-Plattform ist eine exzellente Möglichkeit für Energieversorger neue Geschäftsmodelle zu erschließen«, sagt Vogel. Die Plattform berücksichtigt die Integration von neuen Marktakteuren wie dem „Prosumer“ und den damit einhergehenden Paradigmenwechsel. Denn eine solche P2P-Plattform bietet Vogel zufolge auch ein gutes Fundament für weitere Zukunftsthemen wie das Internet der Dinge oder Smart Cities. (sg)