Von der Online-Terminvereinbarung über den Einsatz neuer Speichertechnologien bis zu intelligenten Stromtarifen: Insgesamt hat Axxcon 49 innovative Leistungangebote bei Energieversorgern ausgemacht.
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Keine Frage der Größe: Auch kleinere Energieversorger sind innovativ

Beim "Innovation Benchmark Energiewirtschaft" der Unternehmensberatung Axxcon zeigt sich: Regionalversorger müssen sich nicht hinter den Großen verstecken. Das Spektrum der gelisteten Innovationen ist gewachsen. Wo es noch deutliches Potenzial gibt:

Um innovativ zu sein, bedarf es in der Energiewirtschaft nicht zwangsläufig großer finanzieller Ressourcen oder eines Konzern-Hintergrundes. Das ist das Ergebnis der Studie „Innovation Benchmark Energiewirtschaft“, die das Beratungsunternehmen Axxcon im Herbst 2018 durchgeführt hat. Dafür wurde deren Angebot vom Smart Home über Beratungs-Apps bis zur Elektromobilität verglichen.

Untersucht wurden stellvertretend 22 deutsche Energieversorger von den großen landesweit agierenden Playern bis hin zu kleineren und mittleren regionalen Stadtwerken. Letztere wurden exemplarisch ausgewählt, um die verschiedenen Größenordnungen abzubilden. Grundlage der Analyse waren die aktuellen Einträge auf den jeweiligen Internetseiten.

Platz drei für einen regionalen Anbieter

Über das größte und breiteste sichtbare Angebot an innovativen Produkten und Dienstleistungen verfügt laut der Studie die RWE-Tochter Innogy, gefolgt vom Energieriesen Eon. Beide erreichen 36 bzw. 31 von 49 angebotenen Services. Auf Platz drei jedoch stehen schon die Stadtwerke Augsburg, die mit einem Jahresumsatz von 0,56 Milliarden Euro zu den vier kleinsten der untersuchten Versorger zählen. Sie kommen auf 30 Services. Auch in den weiteren Top Ten finden sich regionale Stadtwerke wie der Konzern der Gesellschaft für Kommunalwirtschaft Iserlohn und die Mainova AG.

Zwei Jahre zuvor war Innogy bereits Erster der Rangliste, teilte sich den Platz aber mit EnBW. Auf dem zweiten Platz lagen die SWM aus München, die Stadtwerke Iserlohn, die Stadtwerke Augsburg und MVV Energie. Auf Platz drei rangierten 2016 die Rheinenergie, die Stadtwerke Düsseldorf und die jetzt zweitplatzierte Eon. Seinerzeit konnten 37 Innovationsservices erreicht werden.

„Dies widerlegt die weit verbreitete Annahme, dass allein große Unternehmen die nötigen finanziellen Mittel und das nötige Knowhow haben, um neue Produkte und Services auf den Markt zu bringen“, folgern Stefan Jaschke, Partner und Experte für Energieversorgungsunternehmen, und Bernard Richter, Studienleiter und Experte für Innovative Dienstleistungen bei Axxcon. Ihre Schlussfolgerung: „Innovative Dienstleistungen anzubieten, ist weniger eine Frage des Könnens als des Wollens.“

Bei Mobilität gibt es noch Luft nach oben

Ausgemacht wurden insgesamt 49 innovative Leistungsangebote. Diese umfassen ein breites Spektrum von der Möglichkeit zur Online-Terminvereinbarung über den Einsatz neuer Speichertechnologien bis zu intelligenten Stromtarifen und wurden in vier Rubriken geclustert: Digitalisierung, effiziente Energienutzung und -erzeugung, Mobilität sowie innovative Services und Vertriebsstrategien. Daran, wie häufig die entsprechenden Leistungen angeboten werden, lässt sich erkennen, wo bei den Energieversorgern Defizite bestehen.

So gibt es etwa im Bereich Mobilität noch viel Luft nach oben: Lediglich öffentliche Ladestationen werden von fast allen Energieversorgern angeboten. Beim Car-Sharing engagieren sich nur 27 Prozent, bei E-Bikes und E-Autos sind es 18 Prozent. Beim Thema Digitalisierung ergibt die Recherche, dass mehr als die Hälfte, 53 Prozent, digitale Produkte und Services anbieten. „Große Potenziale bestehen jedoch noch in den Bereichen Online-Terminvereinbarung, Stadt-WLAN und Apps für die Beratung unter anderem zu Energiethemen und zur intelligenteren Nutzung der E-Mobilität“, so Richter. Bislang bieten lediglich 14 Prozent der betrachteten Unternehmen eine Online-Terminvereinbarung an.

Leistungsangebot wächst

Die Anzahl der identifizierten innovativen Leistungsangebote ist innerhalb von zwei Jahren von 37 auf 49 angewachsen, wie der Abgleich mit dem ersten Innovation Benchmark von 2016 zeigt. Das bedeutet einem Zuwachs von 32 Prozent. Insgesamt hat sich die Zahl der erfassten Produkte von 400 auf 529 vergrößert, was ebenfalls zeigt, dass Versorger ihr Leistungsangebot in den vergangenen zwei Jahren erweitert haben.

„Wir sehen, dass die Bemühungen um kundenzentrierte Innovationen erste Früchte tragen“, erklärt Richter. Allerdings zeige sich auch bei der Betrachtung der einzelnen Unternehmen noch viel Entwicklungspotential. „Nur wenige haben ihr Portfolio konsequent ausgebaut“, so der Experte. Dabei wisse man aus eigenen Studien ebenso wie aus der Praxis, dass die Kunden von ihrem Energieversorger innovative Dienstleistungen erwarten. Beim Erweitern der eigenen Angebotspalette sei der Innovation Benchmark vor allem für regionale Energieanbieter sehr nützlich. Sie könnten von Energieversorgern in anderen Regionen lernen, ohne mit ihnen in eine direkte Konkurrenzsituation zu treten. (sg)