Microsoft-Deutschland-Chefin Sabine Bendiek.
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Microsoft-Deutschland-Chefin: „Energiebranche steht vor massiven Veränderungen“

Die Digitalisierung treibt den Veränderungsprozess auch bei den Versorgern dramatisch voran. Die kommenden fünf Jahre werden entscheidend sein.

Die deutsche Energiebranche wird in den kommenden zwei bis fünf Jahren massive Veränderungen durch den Prozess der Digitalisierung durchlaufen, prognostiziert Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. „Die IT geht jetzt raus aus der Büro-Automatisierung und rein in die Produkte, in die Dienstleistungen“, sagte die Managerin am Mittwoch auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin. Dabei seien die zugrunde gelegten Algorithmen nicht neu, vielmehr bereits zehn bis 15 Jahre alt. „Aber wir verfügen nun über die günstige Rechenleistung und haben damit ganz andere Möglichkeiten“, erklärte Bendiek. 

In der Konsequenz entstünden neue digitale Produkte, aber auch Ansätze für massive Kosteneinsparungen. Der Veränderungsdruck sei gewaltig, Befürchtungen somit nachvollziehbar. „Die Branche verfügt über riesige Assets da draußen. Da habe ich viel Sympathie für jeden der sagt, es ist auch super-schwierig“, betonte die Microsoft-Managerin. 

Immer exaktere Lastprognosen durch Künstliche Intelligenz

Bei der Stromerzeugung werde die Entwicklung immer exakterer Lastprognosen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) und Data Analytics ein Treiber sein, sagte Bendiek weiter. Bei der vorausschauenden Instandhaltung von Energie-Infrastruktur (predictive maintenance) spielten schon heute Drohnen mit Künstlicher Intelligenz eine Rolle. Transformatoren meldeten bereits selbständig ihren Wartungsstand. Im Vertrieb rücke das klassische Thema Kundenschnittstelle in den Fokus. Personalisierte Produkte böten hier erhebliches Potenzial für die Versorger. 

Auch der Übertragungsnetzbetreiber Tennet sieht für sein Geschäft durch die Digitalisierung entscheidende Veränderungen. „Das wird in den nächsten zwei bis drei Jahren extrem schnell gehen“, sagte Tennet-Vorstand Lex Hartman. Tennet kooperiere derzeit mit Volkswagen in einem Projekt, bei dem Live-Daten von Autos ausgewertet werden. Aus den gelieferten Daten lasse sich quasi ein Live-Wetterbericht für verschiedene Standorte zusammenstellen, der für Lastprognosen genutzt werden könne, erklärte Hartman. Mit Tesla arbeite Tennet in einem Pilot-Projekt zusammen, um durch Daten von 100 Fahrzeugen das Ladetempo prognostizieren zu können.   

Politik muss länderübergreifende Rahmenbedingungen schaffen

Der Tennet-Vorstand appellierte an die Politik, möglichst schnell eine Entscheidung über die Datenhoheit im Vertriebsgeschäft zu treffen. „Am Ende stellt sich die Frage, wem gehören die Daten, dem Kunden, den Unternehmen oder dem Staat? Da brauchen wir länderübergreifende Rahmenbedingungen“, sagte Hartman. Denkbar sei etwa, dass Kunden per Einwilligung ihre Daten für einen begrenzten Zeitraum von sechs Monaten zur Verfügung stellten. (hil)