Für den intelligenten Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage im Netz fehlt es nicht nur an der Zertifizierung von Smart-Meter-Gateways, sondern auch an der Akzeptanz in der Bevölkerung.
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Smart Grid: Verbraucher ziehen (noch) nicht mit

Für Stabilität im Stromnetz braucht es flexible Verbraucher. Doch die Mehrzahl der Bundesbürger ist smarten Technologien für die Balance von Stromangebot und -nachfrage gegenüber skeptisch eingestellt.

Das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung steht und fällt mit der Flexibilität im Stromnetz. Nur wenn das volatile Angebot an Solar- und Windstrom durch die Anpassung des Verbrauchs ausgeglichen werden kann, bleiben die Netze stabil und die Erneuerbaren haben eine Chance. Die, auf die es ankommt, nämlich die Verbraucher, sind allerdings noch nicht vollständig überzeugt von intelligenten Netzen, so das Ergebnis einer Bitkom-Umfrage unter über 1000 Deutschen.

Lediglich jeder Dritte (37 Prozent) kann sich vorstellen, ein Elektroauto so in das Stromnetz einzubinden, dass die Ladung je nach den Anforderungen der Netzstabilität automatisch gesteuert wird. Dabei bietet insbesondere die E-Mobilität eine Riesenchance, erklärt Robert Spanheimer, Energieexperte beim Digitalverband: "Mit einer intelligenten Ladeinfrastruktur können in Wohngebieten drei Mal so viele Elektroautos versorgt werden, ohne neue Stromkabel verlegen zu müssen. Ein digitalisiertes Verteilnetz kann automatisch Netzengpässe an die Ladesäulen kommunizieren und die Wünsche der Verbraucher berücksichtigen."

Größte Akzeptanz bei Smart Home

Etwas mehr als jeder Zweite (56 Prozent) möchte Strom direkt von einem Zusammenschluss von Betreibern kleinerer Solarstrom-Anlagen beziehen. Virtuelle Kraftwerke machen es möglich. Und immerhin zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten würden Haushaltsgeräte, wie eine elektrische Heizung, die Waschmaschine oder den Kühlschrank über smarte Anwendungen steuern lassen, um das Stromnetz zur rechten Zeit zu be- oder entlasten.

Als Anreiz für die Bürger schlägt Bitkom Tarife, die auf Netzdienlichkeit ausgelegt sind, vor. Dazu ist allerdings die Digitalisierung des Energiesystems, angefangen bei intelligenten Stromzählern, notwendig. Nach der ersten Gateway-Zertifizierung Anfang des Jahres ist nun Tempo gefragt: "Beim Smart Meter Rollout hat die Bundesregierung einen Ansatz gewählt, der das Thema IT-Sicherheit als zentrale Zielgröße ins Visier genommen hat. Dieses richtige Ziel hat in der Umsetzung bereits mehrere Jahre in Anspruch genommen. Ein verbessertes Projektmanagement in der Abstimmung zwischen Behörden und der Branche ist Voraussetzung, dass der beginnende Smart Meter Rollout ein Erfolg wird," so Spanheimer. (ls)