Bürger zu Projektbeteiligten machen

Bohrung der Geovol Unterföhring
Bild: © Geovol Unterföhring
Von Andreas Lorenz-Meyer
2009 begann Geovol Unterföhring, 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring, mit der Lieferung tiefengeothermischer Wärme. 2015 wurde die zweite Energiezentrale fertiggestellt, 2024 der Netzausbau abgeschlossen.
Aktuell hat der Versorger über 4000 Haushalte und an die 80 Megawatt Anschlussleistung unter Vertrag. Bei Berücksichtigung des dominanten Gewerbeanteils in der Gemeinde also schon über 75 Prozent des gesamten Potenzials, so Geschäftsführer Peter Lohr.
Keine Werbung mehr nötig
Mit Akzeptanfragen muss er sich nicht mehr beschäftigen. Geothermische Fernwärme sei längst ein "selbstverständlicher Teil der Versorgung". Bei Neubauten oder einem anstehenden Heizungsaustausch würden kaum noch Alternativen erwogen.
Nur kleinere spezielle Akquiseaktionen, etwa bei Noch-Heizöl-Kunden, oder gezielte Ansprachen von Optionskunden laufen noch. "Ganz ehrlich und ohne jede Großspurigkeit: Wir machen keine Werbung mehr, wir sind bekannt. Die Homepage wird gepflegt, und ab und an bringen wir einen Artikel im Gemeindeblatt – das war es."
Anfangs – bei den Öffentlichkeitsveranstaltungen im Jahr 2008 – habe es auch vereinzelt "vorsichtige Stimmen" gegeben: ob überhaupt Thermalwasser auffindbar ist, ob viel zugeheizt werden muss, ob die großen Rohre in die Straßen passen.
Da war viel Kommunikation nötig. "Wir haben damals zum Beispiel große Familienfeste veranstaltet, um uns als kommunales Unternehmen in den Köpfen der Gesamtbevölkerung zu etablieren."
Dazu Führungen für Gruppen von der Grundschule über den Kegelclub bis zum Seniorenheim. Wichtig sei es auch gewesen, Bedenken "auf Augenhöhe" anzuhören und "in ehrlicher Diskussion" auszuräumen.
Unsicherheiten aufzeigen statt einlullen
Was "ehrlich" in diesem Fall heißt? Zum Projektstart seien ein paar Punkte noch nicht klar absehbar gewesen, etwa, wie schnell der Netzausbau vonstattengeht, wann welche Straße angeschlossen werden kann.
Ob die Wärmepreise "garantiert" unter Gas und Öl liegen werden oder ausreichend Thermalwasser für die ganze Gemeinde zur Verfügung stehen würde. "Hier mussten wir offen sein, dass wir an manchen Stellen noch keine Antwort wissen, aber auch nicht nach dem Motto verfahren wollen: Jetzt unterschreibt mal, dann sehen wir weiter."
Statt interessierte Bürger einzulullen, sei es hilfreich gewesen, ihnen die Unsicherheiten aufzuzeigen und dann über jeden Entwicklungsschritt – ob positiv oder negativ – auch zu informieren. "Im Grunde geht es darum, die Bürger zu Projektbeteiligten zu machen."
Lohrs Empfehlung an Versorger, die heute erst am Anfang der Tiefengeothermie stehen: die Bevölkerung so früh wie möglich in die Pläne einbeziehen und viele Gespräche führen.

