Torsten Brose, Leiter Themen und Produkte bei der ASEW.
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ASEW hält sich vom "STEP up!"-Effizienzprogramm fern

Am 1. März startet die 5. Runde der geförderten Ausschreibung „STEP up! - STromEffizienzPotenziale nutzen!“. Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung ist allerdings vom bürokratischen Aufwand ernüchtert und beteilgt sich nicht mehr.

Das Programm fördert gezielt investive Maßnahmen von Unternehmen, auch kommunalen, zur Verbesserung ihrer Stromeffizienz. Der Bewerbungsschluss des vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) initiierten Projekts ist der 31. Mai. Die im Rahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) in 2016 gestarteten Maßnahme ist untergliedert in eine offene und eine geschlossenen Ausschreibung. Die offene Variante ist sektor- und technologieoffen und steht somit allen Branchen offen. Die geschlossene Ausschreibung der aktuellen Runde fokussiert auf die "Umsetzung von Effizienzmaßnahmen in der Wasser- und Abwassertechnik". Die Förderquote bei "STEP up!" beträgt maximal 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Den Zugschlag erhalten Projekte mit der größten Stromeinsparung je beantragtem Fördereuro.

Doch der hohe bürokratische Aufwand ist ein Problem und wirkt auch abschreckend. „Nachdem die vorherigen Ausschreibungsrunden trotz hohen Aufwandes in der Konzeption entsprechender Ansätze eher ernüchternde Ergebnisse zeitigten, bringen wir uns nicht mehr aktiv in das Förderprogramm ein, weder in Form einer Einzelbewerbung, noch im Rahmen einer Bündel-Ausschreibung“, sagt Torsten Brose, Leiter Themen und Produkte bei der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW).

Kosten pro eingesparter kWh muss unter 10 Cent liegen

Der Ansatz, Effizienzmaßnahmen verschiedenster Art zu stimulieren, indem ein Wettbewerb der Anbieter um die geringstmöglichen Kosten je eingesparter Kilowattstunde initiiert wird, sei grundsätzlich eine gute Idee, so Brose. Es würden somit nur Maßnahmen gefördert, deren Kosten pro eingesparter kWh unter 10 Cent liegen. Da die Fördermittel begrenzt sind, erhalten diejenigen Projekte mit den geringsten Kosten pro eingesparter kWh den Zuschlag.

Doch gerade darin liegt laut Brose die Herausforderung bei der Antragstellung. Denn die Methodik zur Ermittlung der Kosten pro eingesparter Kilowattstunden bedeute einen "nicht unerheblichen Aufwand “, berichtet der ASEW-Mitarbeiter. Wenn jedoch ein Antrag gestellt werde, der den hohen Anforderungen des Förderprogramms gerecht werde, sei die Wahrscheinlichkeit der Förderung hoch. "Daher sollte im Vorfeld der Antragstellung eine Aufwands/Nutzen-Betrachtung erfolgen", empfiehlt Brose.

Bürokratische Hürden beeinflussen Wirtschaftlichkeit

Allerdings habe sich gezeigt, dass bezuschlagte Ansätze in der Folge mit einem hohen Maß bürokratischer Hürden zu kämpfen hatten. „Diese erschwerten sowohl eine wirtschaftliche Darstellung der entsprechenden Programme, als auch generell selbst bei optimistischsten Menschen schnell Ernüchterung einkehren ließ“, klagt Brose. Hier hätte deutlich weniger Verwaltungsaufwand ohne zugleich das Controlling der einzelnen Maßnahmen zu vernachlässigen, zu deutlich mehr Ertrag geführt.

Thema Wasser/Abwasser für Stadtwerke interessant

Gute Chancen für Stadtwerke sieht er jedoch in der kommenden Ausschreibungsrunde mit dem Schwerpunkt Wasser- und Abwassertechnik. Interessant werde die geschlossene Ausschreibung dadurch, dass diesmal hier auch Investitionsprojekte gefördert werden, wo eine verbesserte Wärmenutzung zu Effizienzverbesserungen anderer Energieträger beitragen, sogenannte Kombiprojekte Strom-Wärme. „Da gerade Stadtwerke über diverse Kraft-Wärme-Kopplungsprojekte hier mit einem reichen Erfahrungsschatz aufwarten können, macht das die dritte Ausschreibungsrunde durchaus interessant“, urteilt Brose. (mn)