Im Immobilienbereich schlummert noch viel Potenzial für Energieeffizienz-Steigerungen: Das Bild zeigt einen Handwerker beim Anbringen einer Dämmplatte an einer Heizung. Bild: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Energieeffizienz-Netzwerk für kleine Stadtwerke

Laut BMWi gibt es bislang bundesweit erst rund 30 Energieeffizienz-Netzwerke, nur wenige aber zur Energie-Effizienz innerhalb der Stadtwerke selbst.

Energie-Effizienznetzwerke gelten als eine der Eckpunkte des Aktionsplanes, mit dem die Bundesregierung versuchen will, die Vorgaben der EU zur Einsparung von CO2-Emissionen umzusetzen. Der Austausch von Ideen, das Weitergeben von Best Practice-Beispielen und die Kooperation von Unternehmen und Energiedienstleistern sollen – möglichst kostenneutral – bisher im Verborgenen schlummernde Potenziale freisetzen. Vielleicht, so das Kalkül, lassen sich dann die Ziele, bis 2020 den Primärenergieverbrauch um 20 % zu senken, doch noch erreichen. Laut Bundeswirtschaftsministerium gibt es bislang bundesweit erst rund 30 solcher Netzwerke, nur wenige aber zur Energie-Effizienz innerhalb der Stadtwerke selbst.

Reinhold Zerge, Geschäftsführer der Stadtwerke Döbeln, hat bereits Jahrzehnte zählende Erfahrungen mit der Energie – und hält wenig von blinden Aktionismus und Kampagnen. Doch an dem vor einigen Monaten gegründeten Netzwerk von zehn ostdeutschen Stadtwerken unter dem Dach von Envia M hat er sich ohne zu zögern beteiligt. „Wir haben bereits seit Jahren bei uns das Audit nach der DIN 50001 durchgeführt und wollen die Erfahrungen gern weitergeben“, sagt er. Aber natürlich wolle er auch von der Gemeinschaft auf Zeit – das Projekt läuft zunächst für zwei Jahre – auch selbst profitieren.

Das relativ kleine Stadtwerk – Döbeln zählt etwa 20 000 Einwohner – hat in den letzten Jahren viel Geld in seine drei Nahwärmenetze, die von BHKW gespeist werden, investiert. „Seit Mitte der 90er Jahre haben wir damit den spezifischen Energieverbrauch um gut 22 Prozent gesenkt“, berichtet Reinhard Zerge. Und auch bei der Gebäudesanierung ist das Unternehmen schon frühzeitig vorangegangen: Ein denkmalgeschütztes E-Werk wurde als Verwaltungssitz hergerichtet – bereits 1997 nach einem Energiestandard, der bis heute als vorbildlich gelten kann. Allerdings hat die Stadt, die unter einem starken Bevölkerungsverlust leidet und zahlreiche Plattenbauten abreißen musste, noch ein mittelfristiges Problem vor sich: Das alte Leitungsnetz ist für den inzwischen um rund die Hälfte zurück gegangenen Wärmeabsatz sehr großzügig dimensioniert. Reinhard Zerge sieht hier die Grenzen der Vernunft: „Solange die Rohre gut sind, werden wir das aus ökonomischen Gründen nicht anpacken können.“

Von seiner Teilnahme am Netzwerk, in das er satzungsgemäß seinen Spezialisten für Energiemanagement schickt, erwartet er vor allem ein Zuwachs an Know how. „Neben den regelmäßigen Treffen der Teilnehmer ist darin auch eine Schulung durch den TÜV eingeschlossen, die wir ebenso nutzen wie die Fachleute, die uns Envia M zur Verfügung stellt“, sagt er. Denn die kleinen Stadtwerke könnten das allein nicht leisten: „So ein großer Regionalversorger hat ganz andere Möglichkeiten, wenn es um Spezialthemen wie aus den Bereichen IT, Netze oder Recht geht“ sagt er. Der Vorteil einer solchen regelmäßigen Runde liege vor allem darin, dass sich dort Fachleute der gleichen Ebene zusammen finden, die die gleiche (Fach-)Sprache sprechen. „Das kostet wie schon die Zertifizierung natürlich zuerst einmal Zeit und Geld, aber am Ende erwarte ich aus der Teilnahme am Netzwerk für uns einen klar nachweisbaren Nutzen in Form von mehr Effizienz“, sagt Reinhard Zerge.

Dass die Chemnitzer als eines der ersten Unternehmen deutschlandweit ein solches Netzwerk initiiert hat, ist nicht ganz selbstlos. „Die beteiligten Stadtwerke sind alles Kunden von uns, die ihren Strom oder Gas natürlich überall kaufen könnten. Wir müssen daher einen Mehrwert bieten und machen das unter anderem durch das Netzwerk“, sagt Torsten Sperling, der als Prokurist den Bereich EVU leitet und das Angebot als „Kernidee unserer Kundenbindungsstrategie“ betrachtet. Der Stand der Auditierung bei kleineren Stadtwerken sei sehr unterschiedlich, könne aber durch die Qualifizierung und den Erfahrungsaustausch befördert werden. „Wir bieten dafür den organisatorischen Rahmen und spüren das große Interesse bei den Stadtwerken“, sagt Sperling. Deshalb werde bereits darüber nachgedacht, ein weiteres Forum vorzubereiten und zu gründen. Das mehrheitlich zu RWE gehörende Unternehmen wolle damit seine Rolle als Energiedienstleister stärken und bietet teilnehmenden Stadtwerken auch an, erfahrene energietechnische Berater für einen begrenzten Zeitraum zur Seite stellen zu können. (masch)