Die Gebäudesanierung für den Bestandsbau ist umstritten. Bild: Christa Nöhren / pixelio.de

Studie: Öko-Heizsysteme teurer als Erdgas

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Ausweitung des EEWärmeG auf den Gebäudebestand für 41 % der Bürger in Sachsen-Anhalt nicht tragbar ist.

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt hat das Leipziger Institut für Energie beauftragt, zu untersuchen, wie sich die Verpflichtungen aus dem Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) auf den Gebäudebestand auswirken.

Fazit der Studie ist, dass Haushalte mit einem Einkommen von unter 1500 € – d. h. 41 % der Einwohner Sachsen-Anhalts – sich entsprechende Öko-Anlagen nach dem EEWärme-Gesetz nur leisten können, wenn sie ihren Konsum einschränken. Sachsen-Anhalts Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens hält dies für "unzumutbar". "Wir dürfen die Kosten für die Hausbesitzer nicht ignorieren", warnte Aeikens. Nach Angaben der Studie würden die Zusatzinvestitionen für Einfamilienhäuser durchschnittlich 12–77 Monate finanzielle Einschränkungen bedeuten, für Mehrfamilienhäuser 5–50 Monate.

Insgesamt würden durchschnittlich rd. 2,1 Mrd. € zusätzlich für Sanierungen bis 2020 nötig, da sehr viele Haushalte des Landes zu Beginn der 90-er Jahre neue Heizungen erhalten haben, deren Nutzungsdauergrenze nun erreicht wird. Jedes fünfte Gebäude bis 2020 braucht demnach eine neue Heizung. Damit seien fast 94 000 Wohngebäude oder fast 160 000 Wohnungen betroffen.

Zudem sind die Heizsysteme gemäß EEWärmeG beispielsweise bei Einfamilienhäuser durchschnittlich etwa 45 % teurer als eine Erdgas-Brennwerttherme, so die Berechnungen. Die jährlichen Vollkosten für EEWärmeG-Systeme seien für Gebäude – Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Nichtwohngebäude – etwa 20 % höher als beim Einsatz der bisherigen Systeme. Die CO2-Emissionen würden sich gegenüber den "Standardsystemen" höchst unterschiedlich zwischen einer Spanne von 11–85 % senken lassen.

Die Studie warnt davor, das EEWärmeG auf den Wohnbestand in Sachsen-Anhalt auszudehnen, da sich aufgrund der fehlenden finanziellen Mitteln sonst die Sanierungsrate deutlich verringere. Stattdessen müssen Öko-Wärmetechnologien preiswerter werden, um sich auf dem Markt dauerhaft zu etablieren. Baden-Württemberg hatte zuletzt eine Gesetzesnovelle zur Diskussion gestellt (siehe Artikel: "Bürger lehnen mehr Erneuerbare bei Wärme ab"). Das seit 2009 geltende EEWärmeG verpflichtet Bauherren, zur Wärmeversorgung ihrer neu zu errichtenden Gebäude, erneuerbare Quellen wie Solarthermieanlagen, Wärmepumpen, Biomassekessel und andere einzusetzen. Als Alternative komme beispielsweise auch eine über die Anforderungen Energie-Einsparverordnung hinausgehende zusätzliche Dämmung in Frage. (sg)