Das Bundeswirtschaftsministerium attestiert Deutschland eine hohe Versorgungssicherheit beim Erdgas. Das Bild zeigt eine Erdgas-Pipeline des Energiekonzerns Eon. Eon

Gasversorgung: Gabriel vertraut auf den Markt

Der Bundeswirtschaftsminister lehnt eine nationale Erdgasreserve ab. Dennoch wird nachjustiert, um die Versorgungssicherheit zu verbessern.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sieht den deutschen Gasmarkt punkto Versorgungssicherheit sehr gut aufgestellt. Das Ministerium hatte die Versorgungssicherheitslage in Deutschland im Rahmen einer unabhängigen Studie und in einem umfassenden Prüf- und Diskussionsprozess mit der Bundesnetzagentur, den Bundesländern und allen betroffenen Marktteilnehmern untersucht. Maßgeblich für die Aufrechterhaltung des hohen Versorgungsniveaus sei ein funktionierender Regelenergiemarkt, der Ungleichgewichte im Gasnetz ausgleiche, teilte das BMWi gestern in einem Eckpunktepapier zur weiteren Steigerung der Erdgasversorgungssicherheit mit. Diese soll künftig durch zwei konkrete Maßnahmen zusätzlich gestärkt werden.

Zum einen sollen Marktgebietsverantwortliche (MGV) bei außergewöhnlichen regionalen Engpass-Situationen künftig ein höheres Volumen an bereits bestehenden Vorsorgeprodukten abschließen können. Vorsorgeprodukte stellen eine Reserve dar, die dann zum Zuge kommt, wenn der Regelenergiebedarf der MGV nicht mehr über den regulären kurzfristigen Regelenergiemarkt gedeckt werden kann. Zum anderen soll ein neues Regelenergieprodukt geschaffen werden. Dieses soll auch einem größeren Kreis von Industriekunden ermöglichen, durch eine freiwillige Gasnachfragereduktion (Demand-Side-Management) einen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten. "Mit den heute vorgestellten Eckpunkten wollen wir das bereits sehr hohe Niveau der Gasversorgungssicherheit in Deutschland weiter stärken und verbessern. Wir gehen den Weg, die Gasversorgung marktbasiert zu stärken, konsequent weiter", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Laut der Mitteilung des BMWi werden beide Maßnahmen ab sofort gemeinsam mit Bundesnetzagentur, den MVG und relevanten Marktakteuren im Detail ausgearbeitet und umgesetzt. Einer gesetzlichen Anpassung bedürfe es nicht.

Das Eckpunktepapier des BMWi ist gleichbedeutend mit einer Absage an die von Bayern seit längerem geforderte nationale Gasreserve. Ein solches Instrument hatte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im vergangenen Jahr gefordert, um für etwaige Notfalllagen vorzubeugen. Hintergrund waren Befürchtungen, Russland könne seine Gaslieferungen unterbrechen.  (hoe)