Die Niederlanden exportieren jährlich über 50 Mrd. Kubikmeter Gas.
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Erdgasförderung löst Beben in den Niederlanden aus

Das niederländische Energieunternehmen NAM kündigte eine schnelle Untersuchung des Erdbebens an. Die Unruhe in der Region wächst.

Im Norden der Niederlande bei Groningen hat es am Mittwochmorgen ein Erdbeben der Stärke 3,4 gegeben, das im Zusammenhang mit der Erdgasförderung steht. Das Zentrum lag in der Ortschaft Westerwijtwerd 18 Kilometer nordöstlich von Groningen, wie das meteorologische Institut der Niederlande mitteilte. Berichte über Verletzte gab es nicht. Allerdings gingen bei der Meldestelle für Erdbebenschäden in der Region über 230 Schadensanträge ein. Sieben Menschen meldeten gravierendere Beschädigungen an ihren Häusern.

Nach einem Beben derselben Stärke im Januar vergangenen Jahres hatten die Niederlande eine drastische Reduzierung der Erdgasförderung beschlossen, um die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren. In der Region gibt es seit längerem Protest gegen die Erdgasförderung, die für zahlreiche Schäden an Gebäuden verantwortlich ist. Auch am Mittwoch trafen Dutzende Landwirte mit ihren Traktoren zu einem spontanen Protest auf einer Weidefläche ein.

Parlament berät über Erdgasförderung

Ausgerechnet am Mittwoch hatte das niederländische Parlament ohnehin eine Beratung über die Erdgasförderung angesetzt. Ministerpräsident Mark Rutte äußerte sich besorgt. "Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass der Schaden begrenzt bleibt", sagte er nach Medienberichten. Der Kommissar des Königs in der Provinz Groningen, René Paas, reagierte beunruhigt auf das erneute Beben. Die Gasförderung müsse schneller reduziert werden, betroffene Hauseigentümer müssten schneller entschädigt werden.

Das niederländische Energieunternehmen NAM kündigte eine schnelle Untersuchung des Erdbebens an. Er sei froh, dass es keine Verletzten gegeben habe, sagte NAM-Direktor Johan Atema. "Aber natürlich bin ich auch erschrocken über dieses Erdbeben und die Auswirkungen, die es wieder auf die Groninger hat." Die Niederlande sind einer der größten Erdgasproduzenten Europas.

Im vergangenen Jahr 15 Erdbeben

Wie das meteorologische Institut erklärte, handelte es sich bereits um das sechste schwerere Beben in der Region in diesem Jahr. 2018 gab es demnach dort 15 Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 1,5. (dpa/hil)