Aus der Eon-Zentrale im Essen kommt die Idee, umgesetzt wird sie bei den Regionaltöchtern: die Energiewende 2.0 Bild: © Eon

"Grünes Gas aus Grünem Strom": E.ON startet bundesweite Initiative

Der Energiekonzern möchte die Bereiche Wärme, Verkehr und Industrie auf neue Weise vernetzen. Die Essener hoffen auf Förderung aus Berlin.

Im Verbund mit den regionalen Standbeinen – Avacon, Bayernwerk, Edis und Hansewerk – treibt Eon die neue Initiative "Grünes Gas aus Grünem Strom". Es geht um die Reduzierung von CO2 bei Wärme, Verkehr und Industrie. Bereits heute sind 95 Prozent der Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien deutschlandweit an das Verteilnetz angeschlossen. Dadurch wird es möglich, die Energiewelt von morgen zunehmend zu dezentralieren. Die Sektorkopplung findet damit in Bälde zu einem großen Teil im Verteilnetz statt.

Speziell die Power-to-Gas-Technologie (P2G) kann genutzt werden, um dezentral erzeugten Strom aus Windkraft- und Solaranlagen in "grünes" Gas umzuwandeln. Als Produkt entsteht dann Wasserstoff oder – in einem weiteren Schritt – synthetisches Methan. Beides kann direkt in die Gasverteilnetze eingespeist und unmittelbar beim Kunden zur Dekarbonisierung von Wärmeversorgung, von Mobilitätsanwendungen und industriellen Prozessen eingesetzt werden. Eon bewirbt sich für mehrere Projekte um Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) im Rahmen der "Reallabore der Energiewende".

Smarte Energiewende

Thomas König, Netzvorstand der E.ON SE, zum Engagement von E.ON: "Mit unserer Initiative „Grünes Gas aus Grünem Strom“ wollen wir einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion in den Bereichen Wärme, Verkehr und Industrie leisten. Wir bringen so erneuerbare Energien effizient in alle Sektoren und damit die Energiewende 2.0 voran. All das erreichen wir, indem wir nicht nur bei uns selbst Kräfte bündeln, sondern auch intensiv mit weiteren Partnern zusammenarbeiten."

Edis hofft für ein "Energiewendelabor" im brandenburgischen Ketzin auf Fördergelder des BMWi. Hier soll eine intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Technologien zur regenerativen Energieerzeugung, Energieumwandlung (PtX), Energiespeicherung sowie Energieverteilung erprobt und weiterentwickelt werden. Als ein Teil des Energiewendelabors will Edis gemeinsam mit der Berliner Gasag eine skalierbare P2G-Anlage am Standort Ketzin errichten. Das Projektvolumen beträgt rund 30 Mio. Euro.

Großes Vorhaben in Helmstedt

Avacon plant in Helmstedt die Errichtung und den Betrieb einer P2G-Anlage bestehend aus einem 10 Megawatt Elektrolyseur mit nachgeschalteter Methanisierung. Das Investitionsvolumen dieser Anlage, in der die Sektorenkopplung zur Anwendung kommt, beträgt 20 Mio. Euro. Die CO2-Quelle für die Methanisierung ist die ebenfalls am Standort befindliche thermische Abfallverwertungsanlage der Energy from Waste in der Nähe des ehemaligen Kohlekraftwerks Buschhaus.

Zusätzlich zu der Einreichung einer Projektskizze für ein "Reallabor" hat Avacon erst kürzlich mit der Salzgitter Flachstahl GmbH und der Linde AG einen Kooperationsvertrag für das gemeinsame Innovationsprojekt "Windwasserstoff Salzgitter" unterzeichnet. Ziel dieses Vorhabens ist es, in Salzgitter Wasserstoff durch Elektrolyse und Strom aus Windkraft zu erzeugen. Damit soll eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Einsatz größerer Mengen an Wasserstoff bei der Stahlherstellung geschaffen werden. (sig)