Interpretations-Streit um Fracking-Studie

Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung Fracking in großen Tiefen erlauben, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Mitte August hatten die Grünen im Bundestag eine kleine Anfrage zur umstrittenen Gasfördermethode Fracking gestellt. Auf die Antwort reagierte die Partei nun wenig begeistert: "Worte und Taten klaffen bei der Bundesregierung weit auseinander", heißt es bei der Grünen-Fraktion. Ohne wissenschaftliche Grundlage würde die Bundesregierung Fracking für Kohleflöz und Schiefergas in Tiefen unterhalb von 3000 m erlauben. Damit schaffe die Regierung "ein Einfallstor für die Risiko-Technologie".

Noch deutlicher wird der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND): Spätestens mit dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP würde die Bundesregierung die Schiefergasförderung in Deutschland noch in diesem Jahr durchsetzen. "Fracking gefährdet die Grund- und Trinkwasservorkommen in Deutschland. Fracking gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung und ist lediglich eine weitere Methode, um das System der fossilen Energieträger am Laufen zu halten", so BUND-Energiefachfrau Ann-Kathrin Schneider. Sie fordert ein Frackingverbot in "jeder Variante". Außerdem sei es falsch, "viele hundert Millionen Euro in eine Technologie zu investieren, die lediglich einen kurzen Zeitraum überbrückt und den Ausstieg aus fossilen Energien verzögert".

Auch die Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW) übt Kritik: Wenn wir das Vorsorgeprinzip in der Wasserwirtschaft ernst nehmen wollen, dann darf in Trinkwassereinzugsgebieten die Fracking Technologie nicht eingesetzt werden", fordert AöW-Geschäftsführerin Christa Hecht. Die Allianz unterstütze das Bundesumweltministerium und die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, in ihrer Haltung, die Risiken von Fracking nicht herunterzuspielen, betont Hecht.

Allerdings hat sich inzwischen ein Gutachter lt. dem Portal "IWR-News" erstaunt darüber gezeigt, wie Krautzberger die Studie interpretiert habe. Die UBA-Präsidentin hatte bilanziert, dass Fracking eine Risikotechnologie ist und bleibt. "In unserem Gutachten stehen solche Worte nicht drin", zitiert der Dienst Uwe Dannwolf, Hydrogeologe und Geschäftsführer der mit der Studie beauftragten Riskcom GmbH. "Was Frau Krautzberger macht, kann ich ihr nicht vorschreiben. Ich kann nur auf das Gutachten verweisen und sagen, ich würde es nicht so auslegen", so Dannwolf. Seiner Meinung nach sind die Risiken beim Fracking beherrschbar, zumindest nicht höher als bei anderen Technologien. Die Studie gilt als Grundlage für die Entscheidung, für den Gesetzesentwurf zum Fracking, der derzeit vom Wirtschaftsministerium ausgearbeitet wird. (sg)