Mittels Elektrolyse lässt sich aus Wasser, Wasserstoff gewinnen und erneuerbarer Strom im Grüngas "zwischenlagern".
Bild: © Sunfire

Studie: Ohne Sektorenkopplung keine Energiewende

Schon heute herrscht im Stromnetz "Platzmangel"; damit die Erneuerbaren genutzt, statt abgeregelt werden, müssen Power-to-X-Technologien gestärkt werden.

Unter dem Titel "Infrastrukturausblick 2050" haben Tennet und der holländische Gasnetzbetreiber Gasunie den derzeitigen Stand der Energiewende analysiert, um auf dessen Grundlage herauszufinden, welche Maßnahmen es zur Erreichung der Pariser Klimaziele bis 2050 braucht. Das eindeutige Fazit lautet: Die Energieversorgung und die Stromnetze der Zukunft kommen nicht ohne Power-to-X-Technologien aus.

Eines der größten Probleme, vor dem die Energiewende aktuell steht, sind laut der Studie die Netzüberlastung an den Hotspots der Erneuerbaren-Erzeugung im Norden und die fehlenden regenerativen Erzeugungskapazitäten im Süden. Um 80 Prozent oder mehr Erneuerbare zu nutzen, brauche es dementsprechend nicht nur die passende Stromnetz-Infrastruktur, sondern auch alternative Transportlösungen und leistungsfähige Speicher, erklärt Manon van Beek, Vorstandsvorsitzende von Tennet. Neben Stromspeichern, wie Batterie- oder Pumpspeichern müssten laut Studie vor allem Gaskavernen gefördert werden, da sie durch ihre großen Kapazitäten regenerative Energie saisonal und langfristig vorhalten können.

40 Prozent der Versorgung über Gas

Der Ausblick von Tennet und Gasunie zeigt, dass die Speicherkapazitäten für Methan in Deutschland bereits heute für den künftigen Bedarf (zwischen 30 und 60 TWh) augelegt sind, die Gaskapazitäten müssten allerdings erhöht werden, um den Bedarf von bis zu 75 TWh künftig decken zu können. Allgemein müssen Strom- und Gasnetz in den nächsten 30 Jahren deutlich enger verzahnt werden, um das volatile Angebot an Wind- und Sonnenstrom wirtschaftlich zu kompensieren.

Laut "Infrastrukturausblick 2050" müssen bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland durch Strom kompensiert werden, für bis zu 40 Prozent des Bedarfs muss Wasserstoff oder Methan bereitgestellt werden, um die Klimaziele zu erreichen. Dabei ist es sinnvoll, dass die Power-to-Gas-Anlagen möglichst nah an den Erneuerbaren-Erzeugungsanlagen errichtet werden. Nur so werden die Stromtransportwege möglichst gering gehalten, das Netz "entlastet" und die Infrastrukturkosten in Grenzen gehalten.

Gekoppeltes Ausschreibungsdesign wären ein Anfang

Tennet, Gasunie und Thyssengas planen derzeit bereits eine PtG-Anlage im 100 MW-Bereich, die ab 2022 schrittweise ans Netz gehen soll, um Grünstrom in klimafreundliches Gas umzuwandeln. Damit die Technologie allerdings flächendeckend und im großen Stil eine Chance hat, ist die Politik gefragt: Es fehle der passende, regulatorische Rahmen für die Sektorenkopplung, wie beispielsweise die gekoppelte Ausschreibung von Offshore-Energie und Power-to-Gas-Kapazitäten, führt van Beek aus. (ls)