Normalerweise finden Tests in AKW in mehrwöchigen Intervallen statt.
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Bericht: Weniger Sicherheitschecks in Kernkraftwerken aufgrund Corona

Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten und wegen infizierter Mitarbeiter hätten Betreiber die Sicherheitsvorkehrungen in Atomkraftwerken reduziert – oder ganz ausfallen lassen, heißt es in einem Zustandsbericht der Weltnuklearindustrie.

Corona betrifft auch die Atomindustrie: Dazu zählen Tausende infizierte Mitarbeiter, 4600 allein beim russischen Konzern Rosatom; dazu ein Mangel an hochqualifiziertem Personal vor Ort aufgrund der Ansteckungsgefahr, berichtet der Standard aus Österreich. Auch der französische Stromkonzern EDF habe beispielsweise rund drei Viertel der in der Nuklearabteilung Beschäftigten ins Homeoffice geschickt, heißt es weiter.

Betriebskosten rasant gestiegen

Zusätzlich seien die Betriebskosten rasant gestiegen – bei gleichzeitig rückläufigem Stromverbrauch. Weitreichendste Folge sei aber, dass viele Betreiber zuletzt die Sicherheitschecks reduziert haben oder ganz ausfallen ließen, berichtet das Blatt. Demnach finden sich diese Hinweise im 361 Seiten umfassenden Zustandsbericht der Weltnuklearindustrie 2020. Ein Kapitel darin beschäftigt sich mit den Herausforderungen der Branche angesichts Covid-19.

"Der Bericht hat gezeigt, wie schnell Betreiber Sicherheitsvorkehrungen lockern, die auch während einer globalen Krise die Sicherheit der AKW garantieren sollen," zitiert die Zeitung den Anti-Atom-Sprecher der österreichischen Grünen, Martin Litschauer.

Pandemie hebelt Sicherheitsvorkerhungen aus

Normalerweise finden Tests in AKW im Intervall von mehreren Wochen statt. Obwohl Betreiber gesetzlich verpflichtet sind, sich penibel an die vorgegebenen Intervalle zu halten, sei das Prinzip "nuclear safety first" während der Pandemie oft ausgehebelt worden, heißt es in dem Bericht. (sg)