Offshore-Windpark "BARD 1". Errichterschiff "Windlift 1" im Projektgebiet rund 85 km nordwestlich von Borkum in der AWZ. Offshore-Windpark mit 8o Turbinen der BARD VM mit 5 Megawatt Nennleistung. Fahrt mit dem BARD-Versorgungsschiff "Natalie". Das Errichterschiff "Windlift 1" hat bereits das Erste der 8o St?tzkreutze als Fundament f?r die Turbine gesetzt.
Bild: Jens Meier/TenneT TSO GmbH

Offshore: Stauchungsmodell wird fortgeführt

Union und SPD haben sich im Zuge der Koalitionsverhandlungen auf weitere Subventionen für Windparks in Nord- und Ostsee geeinigt. Kritik gibt es trotzdem.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und der niedersächsische Ministerpräsident und frühere VKU-Präsident Stephan Weil (SPD) haben sich letzte Woche darauf geeinigt, das Stauchungsmodell für deutsche Offshore-Windanlagen um zwei Jahre bis 2019 zu verlängern. Bei diesem Modell ist die Anfangsvergütung höher, dafür ist der Vergütungszeitraum kürzer. Mit 19 ct/kWh innerhalb von acht statt zehn Jahren hat die Offshore-Windenergie damit den teuersten Vergütungssatz.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßte die Einigung der Verhandlungspartner: "Das ist ein gutes Signal in diesem – auch für kommunale Investoren interessanten – Bereich der erneuerbaren Energien. Gute Rahmenbedingungen und Investitionssignale erwarten wir aber auch für die anderen Bereiche der Branche", sagte dazu VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. Damit gebe die Politik der Branche ein Stück Vertrauen und Investitionssicherheit zurück.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hingegen warnte, dass auch eine Regelung für die Binnenländer nötig sei, um Arbeitsplätze zu sichern. "Rheinland-Pfalz und einige andere Länder haben ambitionierte Ziele für diese günstig produzierbare Energie", zitiert die "Rhein-Zeitung" Dreyer. Sie forderte neben der Windkraft auf See auch "gute Lösungen für Länder mit Windkraft an Land" auszuarbeiten.

Weitaus kritischer äußerte sich Holger Krawinkel, Leiter der Abteilung Energie bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): Er verglich den Offshore-Ausbau mit dem Transrapid. Dieser wäre zwar klar etwas schneller gewesen. "Aber der Nutzen stand in keinem Verhältnis zu den enormen Kosten im Vergleich zu konventionellen Hochgeschwindigkeitszügen", äußerte er im sich Magazin "Bizz Energy". Die Ziele der Bundesregierung, bis 2020 auf See 6,5 GW Leistung zu installieren, würden etwa 40 bis 50 Mrd. € kosten. Mit Onshore-Windkraft erreiche man die gleiche Leistung mit nur einem Fünftel der Kosten. Zudem spare Offshore-Windkraft aufgrund seiner Volatilität keine einzige Gasturbine als Reservekraftwerk. Die Kosten für ein Backup würden also gleich bleiben. Man müsse aufpassen, dass die Offshore-Windkraft nicht die "teuerste Form einer Seebestattung von technologischen Machbarkeitsphantasien" werde, so Krawinkel.

Der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) dagegen bezweifelt, dass Windräder in Süddeutschland rentabel sind. "Windkraftanlagen sollen eher offshore entstehen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Allerdings – von 380kV-Leitungen, die den Strom von Norden nach Süden transportieren sollen und durch das gesamte Land ziehen, halte er nichts. Pschierer plädiert stattdessen für zwei neue Gaskraftwerke in Bayern. (sg)