Die Offshore-Windenergie war von den spezifischen Kosten her ein teurer Energieträger – in Deutschland bis zur ersten Ausschreibung am 1. April 2017. Bild: Dong Energy

1380 MW Windkraft ohne EEG-Subvention

Die erste deutsche Offshore-Windkraft-Ausschreibung hat gezeigt: Grüner Strom ist auch ohne Fixvergütung möglich. Es kommt auf Standort und Projektträger an.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat am Gründonnerstag die Zuschläge in der ersten deutschen Offshore-Windkraft-Ausschreibung bekanntgegeben. Demnach bekamen vier von 23 Geboten Zuschläge. Davon werden mindestens 1380 von 1490 MW keinerlei Fixvergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz bekommen. Dies ergibt sich aus Angaben der Bundesnetzagentur und der erfolgreichen Bieter EnBW sowie Dong Energy. Alle bezuschlagten, bereits genehmigten Windparkprojekte sind in der Nordsee, keines befindet sich in der Ostsee. Der gewichtete durchschnittliche Zuschlagspreis lag bei 0,44 Cent "Marktprämie" pro kWh Stromeinspeisung auf 25 Jahre von 2025 an. Der höchste Zuschlag kam bei sechs Cent pro kWh zustande.

BNetzA-Präsident Jochen Homann schrieb, die Ausschreibung habe "mittel- und langfristige Kostensenkungspotenziale freigesetzt, die zu einer in diesem Umfang nicht erwarteten Senkung der Förderung führen werden". Die Unternehmensberatung PWC hatte zuvor in einer Studie lediglich ein Ergebnis "deutlich unter zehn Cent pro kWh" vorausgesagt.

"Zubaudeckel weg!"

Homann weiter: "Es ist allerdings offen, ob sich so niedrige Zuschlagswerte in der nächsten Ausschreibung wiederholen werden." Die findet am 1. April nächsten Jahres statt. Teilnahmeberechtigt sind dann erneut die "Projektträger" für insgesamt 6000 bis 7000 MW bereits genehmigte Parks, auch jene, die jetzt durchfielen. Ausgeschrieben werden dann noch mal 1610 MW. Dann müssen allerdings 500 MW aus der Ostsee kommen.

Der Ausrüsterverband VDMA Power Systems sprach von einem "bemerkenswerten Signal für den Offshore-Markt in Deutschland". Die Windkraft stehe "vor einer Zeitenwende". Die Verbände AGOW und OWIA sowie die Stiftung Offshore Windenergie bekräftigten ihre Forderung, angesichts der niedrigen Zuschlagspreise den Zubaudeckel von 15 GW bis 2030 "spätestens in der nächsten Legislaturperiode" zu überdenken.

EnBW: Offshore ist Treiber der Energiewende

EnBW-Chef Dr. Frank Mastiaux äußerte sich "sehr glücklich" über den Zuschlag für das 900-MW-Projekt "He Dreight". Es war das größte ausgeschriebene Einzelvorhaben. Es habe sich, so Mastiaux weiter, gezeigt, dass sich Offshore-Technologie Mitte des nächsten Jahrzehnts in den Strommarkt integrieren lasse. Sie habe sich als "veritabler Treiber der Energiewende qualifiziert". In der deutschen See betreibt der Großkonzern bisher zwei Parks mit insgesamt 336 MW und will bis 2019 zwei weitere mit 610 MW realisieren.

Dong Energy vermeldete Zuschläge für OWP West und Borkum Riffgrund West 2 (beide jeweils 240 MW) für jeweils 0,0 Cent pro kWh. Für sechs Cent pro kWh bekam das 110-MW-Projekt Gode Wind 3 ebenfalls einen Zuschlag. Final entscheidet Dong 2021 über die Investitionen. (geo)