Ausgedient: Das Eon-Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist im Juni 2015 vom Netz gegangen. Bild: Rainer Lippert/Wikipedia

Grafenrheinfeld: Produktion soll im Mai 2015 enden

Eon will das Kernkraftwerk vorzeitig vom Netz nehmen.

Eon beabsichtigt, den Leistungsbetrieb des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld in Bayern Ende Mai 2015 und damit sieben Monate vor dem gesetzlich vorgesehenen Laufzeitende zu beenden. Eine entsprechende Stilllegungsanzeige hat das Unternehmen am Freitag der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber Tennet übermittelt.

Hintergrund für die Entscheidung ist die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Anlage. Der Weiterbetrieb von Kernkraftwerken ist wirtschaftlich nur noch dann sinnvoll, wenn sich ein genügend langer Zeitraum ohne Kernbrennstoffsteuer anschließt. Diese Steuer läuft erst im Jahr 2016 aus. Für Grafenrheinfeld ist daher angesichts der verkürzten Restlaufzeit eine vorzeitige Stilllegung auch im Interesse der Aktionäre des Unternehmens unumgänglich.

Tennet habe wie es die Reservekraftwerksverordnung vorsieht eine vorzeitige Stilllegung von Grafenrheinfeld zu prüfen, sagte Martin Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung von Tennet. "Aktuell gehen wir davon aus, dass eine vorzeitige Stilllegung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld die Versorgungssicherheit in den Monaten bis zum eigentlich vorgesehenen Laufzeitende des Kraftwerks im Dezember 2015 nicht gefährdet. Die Situation wäre unter sehr deutlich erhöhten Eingriffen in den Markt, die das Netz stabilisieren, für uns als Übertragungsnetzbetreiber beherrschbar", so Fuchs weiter.
 
Bereits heute muss Tennet rd. 1000 mal im Jahr eingreifen, um das Höchstspannungsnetz stabil zu halten. Dabei handelt es sich in der Regel um Anweisungen an konventionelle Kraftwerke, ihre Leistung zu reduzieren oder zu erhöhen, um zu hohe Stromflüsse auf belasteten Leitungen zu unterbinden. Die Kosten für Eingriffe in den Kraftwerkspark liegen bei etwa 150 Mio. € im Jahr und werden über die Netzentgelte von den Verbrauchern getragen. Eine durch die vorzeitige Stilllegung von Grafenrheinfeld notwendige sehr deutliche Erhöhung von Eingriffen in den Markt würde auch diese Kosten stark ansteigen lassen. (al)