Atombranche wollte Atommüll im Ausland entsorgen

Die Süddeutsche Zeitung fand Belege für Bestrebungen der Atombranche, Atommüll nach Russland zu bringen.

Teile der deutschen Atombranche arbeiten bis in die jüngere
Vergangenheit an konkreten Plänen für eine Entsorgung von Atommüll
im Ausland. Das zeigen vertrauliche Dokumente aus der
Atomwirtschaft, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Sie belegen, dass
Nuklearmanager schon vor Jahren hinter verschlossenen Türen heimlich damit
begannen, Alternativen zu einem deutschen Endlagerkonzept zu suchen. Man wollte die strahlende Hinterlassenschaft dort entsorgen, wo es deutlich billiger und
unkomplizierter schien als im Ausstiegsland Deutschland: in den Weiten
Russlands, wo die Umweltstandards viel niedriger sind. Selbst Präsident
Wladimir Putin soll angeblich involviert gewesen sein. Die Beweggründe sind klar: Das Land erwartet sich ein Milliardengeschäft.

Der Versorger EnBW, der wegen Geschäften zum russischen Lobbyisten Andrey Bykow in Prozessen involviert ist, habe auf Anfrage der SZ "mögliche Optionen im Ausland geprüft und wirtschaftlich, juristisch und technisch bewertet". Weil Aspekte der Verträge "Gegenstand laufender gerichtlicher Auseinandersetzungen" seien, lehne das Unternehmen weitere Kommentare ab. Die Pläne seien nicht umgesetzt worden, EnBW habe keinen radioaktiven Abfall nach Russland gebracht, beteuert das Unternehmen. Es habe bei der EnBW AG keine "konkreten Pläne" gegeben, dass das Unternehmen Anlaufstelle für westliche Konzern für die Lieferung radioaktiver Abfälle ins Ausland werden sollte, teilt das Unternehmen mit. Weitere Fragen zu den Endlagerplänen lässt der Konzern ebenso unbeantwortet wie die Frage, ob die Politik über das Vorhaben informiert war. (al)