Der Windpark EnBW Baltic 2 umfasst 80 Windräder mit einer Leistung von 288 MW und liegt in der Ostsee. Bild: © EnBW

Nach EnBW & Ørsted: Vattenfall plant Offshore-Windpark ohne Förderung

Null-Cent-Gebote auf dem Vormarsch: Nachdem EnBW & Ørsted (ehemals Dong Energy) vergangenes Jahr den Zuschlag für den ersten förderungsfreien Offshore-Park erhalten hat, zieht Vattenfall jetzt nach – in den Niederlanden.

Unterbieten ist angesagt: In der ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur (BNetzA) für Offshore-Windparks bekamen gleich zwei Null-Cent-Gebote den Zuschlag. Neben dem dänischen Konzern Ørsted machte EnBW damals das Rennen mit dem Projekt „He Dreiht“. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Vattenfall hat sich im niederländischen Ausschreibungsverfahren für den Offshore-Windparks „Hollandse Kust Zuid“ durchgesetzt -  ebenfalls ohne staatliche Subventionen.

Der schwedische Konzern will mit dem Großprojekt insgesamt 700 bis 750 MW an Windenergie vor der holländischen Küste installieren. Die EnBW plant ein noch größeres Leistungsvolumen ihres Windparks „He Dreiht“. In der Nordsee sollen bis zu 900 MW Windenergie erzeugt werden können.

Riskant - Gebote ohne Förderung basieren lediglich auf Marktprognosen

Vattenfall kündigte nun bereits erste Schritte für die Realisierung von „Hollandse Kust Zuid“ an: Zunächst soll das Design des Windparks entworfen werden. Anschließend erfolgen die Ausschreibungen der Hauptgewerke. Das ist auch nötig, denn die Zeit drängt: In der Ausschreibung um den Windpark ist festgelegt, dass die Offshore-Anlagen fünf Jahre nach Erhalt der Genehmigung komplett in Betrieb sein müssen.

Das Null-Cent-Gebot von Vattenfall begründete Konzern-Chef Magnus Hall gegenüber der dpa mit günstigen Marktkonditionen: „Die Kosten für erneuerbare Energien, und ganz besonders für Offshore-Wind, gehen weiter zurück. Wenn die Bedingungen gut sind, kann man jetzt Windparks nach Marktkonditionen bauen.“ Das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers  sieht hingegen große Risiken bei Zuschlägen ohne Förderung: So seien Null-Cent-Gebote eine Wette darauf, dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme Herstellungskosten für Offshore-Strom niedrig und die Erlöse am Strommarkt hoch seien, erklärte Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC. Würden diese Effekte jedoch aus bleiben oder nicht im erwarteten Umfang eintreten, stünde die Umsetzung der Projekte in Frage. (ls)