Bergleute verlassen auf der Zeche Prosper Haniel (Bottrop) in 1250 Meter Tiefe den Förderkorb. Am 21. Dezember schließt die Zeche. Diese Schließung bedeutet damit das Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland. Bild: © Oliver Berg/dpa

Abschied vom Bergbau beginnt mit Gottesdienst im Dom

Glück auf und vorbei. Der deutsche Steinkohlenbergbau ist so gut wie Geschichte. Im Ruhrgebiet wird Abschied genommen. Viele Probleme bleiben.

Nach rund 200 Jahren wird die Steinkohleförderung in Deutschland endgültig eingestellt. Am Freitag erhält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf der Schachtanlage Prosper-Haniel in Bottrop das symbolisch letzte Kohlestück aus einer deutschen Zeche. Bereits am Donnerstag verabschieden die katholische und die evangelische Kirche den Bergbau mit einem Gottesdienst im Essener Dom.

Die Kohle hatte die Industrialisierung Europas erst ermöglicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie der Energieträger für das deutsche Wirtschaftswunder. An Ruhr und Saar konnte sie aber schon seit vielen Jahren nur dank hoher Subventionen gefördert werden. Gut 1 Mrd. Euro pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen.

Ausstieg mit langer Vorbereitung

Es ist ein Ausstieg mit langer Vorbereitung, hohen Subventionen und ohne Entlassungen. Das Ende der Steinkohleförderung war 2007 zwischen Bundesregierung den Kohleländern Nordrhein-Westfalen und Saarland sowie der Bergbaugewerkschaft vereinbart worden. Rund 33 000 Bergleute und andere Mitarbeiter waren damals noch auf den Zechen beschäftigt. Jetzt sind es noch rund 3500. Großzügige Vorruhestandsregelungen sorgten dafür, dass niemand «ins Bergfreie» gefallen ist, wie es in der Bergarbeitersprache heißt.

Der deutsche Bergbau war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig. Gut eine Milliarde Euro Kohlesubventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Allein seit von 1996 bis heute sind aus den Haushalten des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen rund 61 Mrd. Euro als Absatz- und Stilllegungsbeihilfen geflossen.

Importkohle für die Kraftwerke

Mit der Schließung der letzten Zeche ist der Einsatz der Steinkohle in Deutschland nicht zu Ende. Bei der Stromerzeugung und in den Stahlwerken wird sie künftig komplett durch Importkohle ersetzt. «Wenn die letzte deutsche Zeche schließt, dann ist dies eine industriepolitische Zäsur. Ein umweltpolitischer Erfolg wird daraus erst, wenn die zerstörerische Kohleverstromung insgesamt endet», sagte der Energieexperte der Umweltorganisation Greenpeace, Tobias Münchmeyer.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, wird Deutschland die Kohle noch lange für die Stromerzeugung brauchen. «Nur, dass wir die Steinkohle nun über Abertausende Kilometer aus Ländern importieren, deren Arbeits- und Sicherheitsstandards mit den deutschen nicht einmal ansatzweise mithalten können. Dafür geben wir vor der Haustür eine im internationalen Vergleich führende Industrie auf», kritisierte der Gewerkschaftschef.

Wachsende soziale Probleme im Ruhrgebiet

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte aus Anlass der Schließung der letzten Zeche wachsende soziale Probleme im Ruhrgebiet. In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der Menschen im Ruhrgebiet mit einem Einkommen unterhalb der Schwelle zur Armutsgefährdung um 30 Prozent gestiegen. «Diese Entwicklung macht uns Sorgen», sagte der Geschäftsführer des Wohlfahrtsverbands, Christian Woltering, der Deutschen Presse-Agentur.

Ein großes Problem im Ruhrgebiet sei der Mangel an gut bezahlten Arbeitsplätzen. «Die Jobs im Bergbau sind hart, aber sie waren auskömmlich», sagte Woltering. Viele Arbeitsplätze, die nach der Kohle gekommen seien, reichten dagegen nicht mehr für den Lebensunterhalt. Häufig gebe es nur schlecht bezahlte Teilzeitstellen.

Tragischer Unfall in Ibbenbüren

Wenige Tage vor dem offiziellen Ende des deutschen Steinkohlebergbaus ist ein 29-Jähriger in der bereits geschlossenen Zeche Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ums Leben gekommen. Der Industriemechaniker wurde nach Angaben des Zechenbetreibers RAG am Montag bei Arbeiten zur Nachbereitung in dem Bergwerk getötet.

Ein Sprecher der zuständigen Bergbaubehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg sagte am Dienstag, der Mann sei bisherigen Erkenntnissen zufolge in einer schweren «Wettertür» eingeklemmt worden. Wie es dazu kam, müsse noch ermittelt werden. Der Mann sei noch unter Tage verstorben. Mehrere Wettertüren aus Stahl trennen als eine Schleuse in einem Bergwerk aus Sicherheitsgründen Abteilungen voneinander ab und regeln auch die Frischluftzufuhr, wie der Behördensprecher sagte. (dpa/al)