Mike Schuler (Süwag-Vorstand), Markus Lammers (Leiter B2B Deutschland bei Innogy) und EEX-COO Steffen Köhler (v.l.).

EEX glaubt an Erfolg von „Verivox für Gewerbekunden“

Die EEX sieht Potenzial in einer Online-Plattform zum Gewerbekunden-Preisvergleich für Strom- und Gastarife. Börsenchef Reitz hat Kommunen im Blick.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die Energiebörse EEX die Gründung des Joint Ventures Enermarket angekündigt. Dabei handelt es sich um eine B2B-Marktplattform, die kleineren und mittleren Unternehmen den Online-Vergleich von Angeboten für den Strom- und Gasbezug ermöglicht. Zusammengetan hat man sich dabei mit der RWE-Tochter Innogy sowie dem ebenfalls mehrheitlich zum RWE-Konzern gehörenden Frankfurter Regionalversorger Süwag. Die EEX hält 40 Prozent der Anteile, die beiden übrigen Partner je 30 Prozent. Diese Eigentümerstruktur ist allerdings nicht in Stein gemeißelt. Derzeit laufen Gespräche mit weiteren möglichen Anteilseignern. 

Der Start des Online-Portals war zunächst für das erste Quartal dieses Jahres angekündigt, doch er wird sich bis mindestens Mitte des Jahres verschieben. Derzeit wird fieberhaft mit weiteren Marktpartnern verhandelt, um der für die EEX neuen Zielgruppe der Gewerbekunden auch eine glaubwürdige Auswahl an Anbietern präsentieren zu können.

Beschaffungsplattform für Kommunen bald auch in Deutschland?

"Das ist eine echte Innovation", sagte EEX-Vorstandschef Peter Reitz am Dienstag in Essen auf der Fachmesse E-World anlässlich einer Präsentation der Digitalstrategie der Energie- und Commodity-Börse. Die Handhabung soll so einfach wie bei den Verbraucherportalen sein: Eine Bäckereikette gibt ihren Strom- oder Gasbedarf ein, findet den für sie passendsten Anbieter und kann den Vertrag gleich online abschließen. 

EEX-Chef Reitz verwies zudem auf die Beschaffungsplattform "PARC" der EEX-Tochter PXE in Tschechien, die sich speziell an Gemeinden richtet und Auktionen für Strom und Gas anbietet. "Wir prüfen, ob das auch für Deutschland ein interessantes Angebot wäre. Ich sehe da Potenzial", sagte Reitz der ZfK. Schließlich müssten auch kommunale Krankenhäuser Strom -und Gasbezugsverträge ausschreiben. Allerdings seien dazu noch viele juristische Fragen zu klären.

"Der Markt ist reif für eine solche Plattform"

"Der Markt ist reif für eine solche Plattform", so EEX-COO Steffen Köhler bei der Vorstellung von Enermarket auf der E-World. Gewerbekunden mit einem Stromverbrauch von bis zu einer Gigawattstunde und einem Gasverbrauch von bis zu 1,5 Gigawattstunden jährlich können einen Vertrag direkt online abschließen. Wer mehr benötigt, muss sein Lastprofil hochladen und bekommt nach zwei bis drei Tagen ein individuelles, lastgang-spezifisches Angebot zugesandt. Um das selbst gesteckte Ziel in puncto Transparenz und Neutralität zu erreichen, werde versucht, möglichst viele Marktpartner für das Portal zu gewinnen. Auch für Stadtwerke biete die Plattform eine Möglichkeit, überregionalen Zugang zu Kunden zu bekommen, sagte Enermarket-Geschäftsführer Tobias Thiel. (hil)