Atommüll-Fässer
Bild: Knut Niehus / (c) Clipdealer

Endlager: Es könnte jedes Bundesland treffen

Die Endlagerkommission des Bundestages hat sich auf Empfehlungen für die Suche nach einem Standort für hochradioaktiven Atommüll geeinigt.

Die zweijährige Arbeit der Kommission endete in der Nacht auf heute nach einer 13-stündigen Sitzung, berichtet die "Berliner Morgenpost" online. Demnach wehrte die große Mehrheit Versuche einzelner Kommissionsmitglieder ab, die Anforderungen an einen Endlagerstandort so zu fassen, dass Salzgestein oder Granitgestein von vorneherein ausgeschlossen wäre. Vielmehr seien die Kriterien so formuliert, dass es jedes Bundesland treffen könnte.

Damit setzte sich die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) nicht durch, die gegen ein Endlager im Granit des Bayerischen Walds oder des Fichtelgebirges Front gemacht hatte. Auch das niedersächsische Gorleben ist noch im Rennen: Ein Antrag, den Salzstock auszuschließen, wurde abgelehnt.

Auf Druck der Grünen empfiehlt ein Passus des Abschlussberichts ein Klagerecht von Anwohnern, Gemeinden und anerkannten Umweltverbänden in verschiedenen Phasen der Standortauswahl. Der Vorstand der Initiative gegen ein Endlager im Saldenburger Granit, der Thurmansbanger Bürgermeister Martin Behringer, sagte dem BR: "Ich glaube nicht, dass man jemand überzeugen kann, dieses Endlager freiwillig zu nehmen. Darum muss irgendwann mal eine politische Entscheidung getroffen werden." Behringer drohte mit Widerstand wie gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf.

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) erwartet, dass das Endlager 2050 in Betrieb genommen wird. Einige Mitglieder der Kommission halten selbst das für unrealistisch. Damit muss die oberirdische Zwischenlagerung der abgebrannten hochradioaktiven Kernbrennstäbe an Kraftwerksstandorten verlängert werden. Denn der Bericht empfiehlt auch in Übereinstimmung mit der vieljährigen deutschen Atompolitik ein Exportverbot.

Jetzt ist es an Bundestag und Bundesrat, aus den Empfehlungen gesetzliche Kriterien zu machen. Dann beginnt die wissenschaftliche Standortsuche von neuem. (geo)