Das EnBW-Kernkraftwerk Philippsburg
Bild: © Daniel Meier-Gerber/EnBW

Atomausstieg: EnBW nimmt Standort-Abfalllager in Philippsburg in Betrieb

Trotz der Einschränkungen, die sich aus der Coronavirus-Pandemie ergeben, arbeitet die EnBW weiter an ihrem Ausstieg aus der Atomenergie. "Ein wichtiger Meilenstein für unsere Rückbau-Logistik" nimmt nun den Betrieb auf, so Jörg Michels, Chef der EnBW-Kernkraftsparte.

Die EnBW hat das auf dem Kraftwerksgelände in Philippsburg neu errichtete Standort-Abfalllager (SAL) in Betrieb genommen und am Dienstag an die staatliche Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übergeben. Das Standort-Abfalllager ist eine Einrichtung, die die EnBW ergänzend zu einem Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) als Infrastruktur für den Rückbau der Kernkraftwerke in Philippsburg aufgebaut hat. Der Gebäudekomplex ist ein wichtiger Baustein in der für den Rückbau erforderlichen Logistik- und Entsorgungskette und damit Teil der Rückbau-Strategie der EnBW.

Im sogenannten "Entsorgungsübergangsgesetz" ist vorgesehen, dass in Deutschland Zwischenlager wie das SAL im Rahmen der Neuordnung der kerntechnischen Entsorgung an die staatliche BGZ übergeben werden. In diesem gesetzlichen Kontext wurden von der EnBW in der Vergangenheit bereits die Standort-Zwischenlager in Philippsburg und Neckarwestheim sowie das Standort-Abfalllager in Obrigheim an die BGZ übergeben.

Vorübergehende Lagerung von aktiven Abfällen bis zur Inbetriebnahme des Endlagers

Die Standort-Abfalllager sind für die vorübergehende Lagerung von schwach- bis mittelaktiven Abfällen aus Betrieb und Rückbau der EnBW-Kernkraftwerke vorgesehen, während in den Standort-Zwischenlagern verbrauchte Brennelemente dieser Kernkraftwerke aufbewahrt werden. Die Lagerung findet insgesamt solange statt, bis der Staat für die jeweilige Abfallkategorie ein Endlager in Betrieb genommen hat.

Das Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) und Standort-Abfalllager (SAL) in Philippsburg sind zwei voneinander getrennte Gebäude und Einrichtungen. Sie wurden zugunsten eines effizienten und ressourcenschonenden Rückbaus errichtet, teilt das Unternehmen mit. Im Reststoffbearbeitungszentrum werden zukünftig Stoffe aus dem Rückbau der beiden Kernkraftwerke des Standortes so bearbeitet, dass das Volumen radioaktiver Abfälle auf ein Minimum reduziert wird. Gleichzeitig erhöht sich durch die Bearbeitung der Anteil der Wertstoffe, die wieder dem Stoffkreislauf zugeführt werden können. Ein weiterer Vorteil ist, dass rückbaubedingte Transporte auf ein Minimum reduziert werden können. Die Inbetriebnahmephase des RBZ in Philippsburg dauert derzeit noch an.

Bauarbeiten hatten 2016 begonnen

Die Bauarbeiten für RBZ und SAL hatten im Jahr 2016 begonnen. Nach der erfolgreichen Errichtung der Gebäude und dem Einbau der maschinentechnischen Ausstattung begann im vergangenen Jahr die Inbetriebnahmephase. In dieser Phase werden die verschiedenen, in den Gebäuden installierten technischen Einrichtungen nacheinander in Betrieb genommen und danach jeweils auf Basis von Unterlagen, die zuvor durch unabhängige Gutachter freigegeben worden waren, gründlich überprüft. Hierbei wird nicht nur die ordnungsgemäße Funktion geprüft, sondern auch das Zusammenspiel dieser technischen Einrichtungen miteinander. Dies wird ebenfalls durch unabhängige Gutachter sowie durch die zuständigen Behörden intensiv begleitet. Nach Abschluss dieser Phase im SAL hat das Umwelt-ministerium Baden-Württemberg seine Zustimmung zur Aufnahme des Betriebs erteilt.

„Wir sind stolz darauf, die Inbetriebnahme des SAL in Philippsburg auch unter zuletzt erschwerten Bedingungen trotzdem sicher und verantwortungsbewusst erreicht zu haben. Das ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Rückbau-Logistik“, sagt Jörg Michels, Chef der EnBW-Kernkraftsparte. „Nun arbeiten wir daran, trotz der Einschränkungen, die sich aus der Coronavirus-Pandemie ergeben, im laufenden Jahr auch das Reststoffbearbeitungszentrum in Philippsburg sowie den nahezu identischen Gebäudekomplex in Neckarwestheim in Betrieb nehmen zu können. Aber auch hier gilt unser Grundsatz Sicherheit vor Schnelligkeit. Und der wegen der Pandemie zusätzlich erforderliche Gesundheitsschutz ist ganz klar Teil der Sicherheit.“

EnBW-Kernkraftausstieg bis Ende 2022

Vier der fünf EnBW-Kernkraftwerke befinden sich bereits im Rückbau: das Kernkraftwerk Obrigheim, der Block I in Neckarwestheim sowie beide Blöcke in Philippsburg. Für die fünfte Anlage – den Block II in Neckarwestheim – hat die EnBW den Rückbau frühzeitig beantragt, so dass damit möglichst unmittelbar nach der Abschaltung dieser Anlage begonnen werden kann. Der Block II in Neckarwestheim darf noch maximal bis Ende 2022 Strom produzieren. (pm)