Durch neue Offshore-Parks erhöht sich der Druck auf die Netze. Dies hält das Einspeisemanagement auf einem hohen Niveau. Bild: © RWE Innogy

Redispatch-Kosten sinken merklich

BNetzA: Beim Quartalsbericht zu Netz- und Sicherheitsmaßnahmen für das erste Quartal 2018 wird deutlich, dass die Thüringer Strombrücke Engpässe eliminiert hat. Die Einsman-Maßnahmen bleiben weiter auf hohem Niveau – auch durch neue Offshore-Parks.

Die Bundesnetzagentur (BnetzA) hat den Quartalsbericht zu Netz- und Sicherheitsmaßnahmen für das erste Quartal 2018 veröffentlicht. Auffallend ist, dass sich die Redispatch-Maßnahmen stark reduziert haben. Insgesamt wurden im ersten Quartal 3,23 Mrd. kWh an Strom angefordert. Dies beinhaltet sowohl die Erhöhung und Erniedrigung von Marktkraftwerken (1,05 Mrd. kWh) als auch die Erhöhung von Reservekraftwerken (625 Mio. kWh).  Im Vergleich zum ersten Quartal 2017 ist die Menge der Anforderungen demnach stark zurückgegangen. Damals lag der Wert bei 9,89 Mrd. kWh.

Allerdings war das erste Quartal 2017 durch eine Ausnahmesituation von Anfang Januar bis Anfang Februar gekennzeichnet, hieß es seitens der BNetzA. Die starke Belastung der Stromnetze in diesem Zeitraum wurde auf mehrere Faktoren zurückgeführt: eine ungewöhnliche Lastflusssituation in Deutschland mit hohen Flüssen vor allem in Richtung Süd-Westen, eine europaweite Kälteperiode einhergehend mit einer hohen Last, eine geringe Erzeugung aus Wind-und Solarenergieanlagen und einer Nichtverfügbarkeit von nuklearen Kraftwerken.

Thüringer Strombrücke hilft

Seit dem vierten Quartal 2017 lässt sich ein Rückgang der Redispatch-Maßnahmen feststellen, der sich im ersten Quartal 2018 weiter fortsetzt, teilte die Behörde mit. Hauptursache ist vor allem der Ausbau des Netzes an der Kuppelleitung zwischen der 50 Hertz- und der Tennet-Regelzone („Thüringer Strombrücke“) und dem Rückgang sowie der effizienteren Redispatcheinsatzplanung durch die vier Übertragungsnetzbetreiber. Ferner wurde durch die Stromknoten-Verstärkung am Umspannwerk Brunsbüttel die Übertragungskapazität zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg erhöht.

Die Kosten für Redispatch-Maßnahmen beziffert die BNetzA nach ersten Schätzungen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) auf 82,3 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2017 lagen sie bei 299 Mio. Euro, im vierten Quartal 2017 bei 164 Mio. Euro. Die für die Marktkraftwerke angefallenen Kosten lagen im ersten Quartal 2018 nach einer ersten Schätzung der ÜNB bei etwa 76,5 Mio. Euro. Sie verteilen sich auf die einzelnen ÜNB wie folgt: Tennet (61 Mio. Euro),  50 Hertz (9,2), Amprion (6,1) und TransetBW (0,2). Für die Einspeiseerhöhung wurden zu 49 Prozent Erdgaskraftwerke genutzt, der Wert lag bei über 600 Mio kWh. Bei der Einspeiseerniedrigung wurden vor allem Braunkohle und Steinkohlekraftwerke hergezogen.

Mehr Einsman-Maßnahmen durch neue Offshore-Parks

Beim Thema Einspeisemanagement (Einsman) wurden im ersten Quartal 2018 durch die ÜNB und Verteilnetzbetreiber (VNB) rund 1,97 Mrd. kWh an Ausfallarbeit von EEG- und KWK-Anlagen gemeldet. Vergleicht man diesen Wert mit dem ersten Quartal 2017, so ergibt sich eine Erhöhung der Menge an Ausfallarbeit um rund 559 Mio. kWh (Q1 2017: 1,4 Mrd. kWh). Im vierten Quartal 2017 lag der Wert aber bei 2,31 Mrd. kWh.

Die Zunahme der Einsman-Maßnahmen ist insbesondere auf die weitere Inbetriebnahme von Offshore-Windparks im Jahr 2017 zurückzuführen, die zu einer Überlastung der Leitungen im Emsland führte, erläuterte die BNetzA. Da zur Entlastung dieser Leitungsabschnitte nur wenige konventionelle Kraftwerke zum Redispatch zur Verfügung stünden, mussten zusätzlich die Offshore-Windparks bei hohem Windaufkommen abgeregelt werden. Die Entschädigungsansprüche für die Abregelungen von Offshore-Windparks liegen dabei über denen anderer Energieträger, was einen weiteren Anstieg der geschätzten Entschädigungsansprüche für Einsman-Maßnahmen insgesamt zur Folge habe, so die Behörde.

Hälfte der Ausfallarbeit findet in Schleswig-Holstein statt

Die vorläufig geschätzten Entschädigungsansprüche von Anlagenbetreibern nach § 15 EEG belaufen sich im ersten Quartal 2018 auf 228 Mio. Euro. Zum Vergleich: Q1 2017 schlug mit 141 Mio. Euro zu Buche, Q4 2017 mit 274 Mio. Euro. Rund 52 Prozent der Ausfallarbeit und rund 48 Prozent der durch die Netzbetreiber an die Bundesnetzagentur gemeldeten geschätzten Entschädigungsansprüche entfallen im ersten Quartal 2018 auf Schleswig-Holstein. Es folgt Niedersachsen mit rund 29 Prozent. Die restlichen Abregelungen verteilen sich auf acht weitere Bundesländer. (al)