Einweihung am 2. Juli mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (4. v.l.), Stadtwerke Vorstand Hanns-Detlev Höhne (ganz rechts). Bild: Stadtwerke Mainz

Grüner Wasserstoff aus Mainz

Die weltweit größte Power-to-Gas-Anlage zur Wasserstoffgewinnung aus Erneuerbaren wurde am 2. Juli im Mainzer Energiepark in Betrieb genommen.

„Dies ist ein Vorzeigeprojekt nicht nur für Mainz, sondern für ganz Rheinland-Pfalz und darüber hinaus“, lobte Ministerpräsidentin Malu Dreyer das Energiespeicherprojekt bei der offiziellen Einweihung. Kernstück ist eine Elektrolyse-Anlage zur Wasserstoffgewinnung aus regenerativem Strom mit einer Spitzenleistung von 6 MW, die größte ihrer Art weltweit. Siemens, Linde, die Hochschule Rheinmain und die Stadtwerke Mainz arbeiten in dem Projekt zusammen. Es umfasst Investitionen von etwa 17 Mio. € und wurde vom Bundeswirtschaftsministerium zu 50 % gefördert.

Die Anlage ist nicht nur aufgrund ihrer Größe besonders. „Wir haben hier einen idealen Energie-Knotenpunkt“, sagte Hanns-Detlev Höhne, Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke Mainz. Denn über das Gelände des Energieparks in unmittelbarer Nachbarschaft des Mainzer Messegeländes laufen sowohl eine Gasleitung als auch eine Mittelspannungsleitung der Stadtwerke Mainz Netze GmbH. Sie ist auch direkt an einen benachbarten 8 MW starken Windpark, den die Stadtwerke-Unternehmensgruppe betreiben, angebunden. Der Elektrolyseur von Siemens arbeitet mit einer sogenannten PEM-Druckelektrolyse (Proton Exchange Membrane), die innerhalb von Milli-Sekunden auf die schwankende Stromeinspeisung reagieren kann. Sie wird erstmals in dieser Leistungsklasse eingesetzt. „Zukünftige Energiesysteme werden weit komplexer, vernetzter und flexibler sein als heute. Der PEM-Elektrolyseur ist für dieses Energie-Puzzle ein wichtiger Baustein“, sagte Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm. Eine weitere wichtige Komponente ist ein zweistufiger ionischer Verdichter, der laut Wolfgang Büchele, Vorstandsvorsitzender der Linde-Group, besonders energiesparend und flexibel ist.


„Im Energiepark Mainz können wir die Umwandlung von Windenergie zu Wasserstoff in einem großtechnischen Maßstab erproben und testen, welche Betriebsführungskonzepte sinnvoll sind“, sagte Birgit Scheppat, Leiterin des Wasserstofflabors der Hochschule RheinMain. „Die dezentrale Speicherung von elektrischer Energie in Zeiten hoher Windeinspeisung dient der Netzintegration erneuerbarer Energien und gewährleistet die Netzstabilität“, unterstrich Höhne die Bedeutung des Vorhabens.


In dem vierjährigenPilotbetrieb soll nun vor allem die Wirtschaftlichkeit des Projekts erprobt werden. „Wir sehen hier viele Möglichkeiten“, unterstrich Höhne. Sei es bei der Vermarktung des gespeicherten Windstroms als Regelenergie oder der Verwendung von grünem Wasserstoff für Brennstoffzellen-Fahrzeuge, BHKWs oder für Industriekunden. Ein entscheidender Faktor ist auch die Belastung des Speicherbetriebs mit Netzentgelt und EEG-Umlage. Die Bundesnetzagentur habe bereits eine Befreiung für das Pilotvorhaben signalisiert, hieß es am Rande der Eröffnungsfeier. (hcn)