Grünes Licht für Geothermiekraftwerk

Die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG) will östlich von Trebur Hessens erstes Tiefengeothermie-Heizkraftwerk bauen.

Die Aufsichtsräte der Stadtwerke Mainz AG und der Überlandwerk Groß-Gerau GmbH stimmen der Projektrealisierung zu – nach mehr als sechsjähriger Vorbereitung, sorgfältiger Planung und umfangreicher Bürgerbeteiligung, wie das ÜWG berichtet. Der produzierte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, zusätzlich besteht die Möglichkeit, Wärme lokal zu nutzen. Somit können angrenzende Kunden in Trebur, Nauheim und Groß-Gerau über ein noch zu installierendes Wärmenetz mit Heizenergie versorgt werden.

Das Regierungspräsidium Darmstadt erteilte eine erste positive Teilgenehmigung für die Errichtung des Bohrplatzes. Die vollständige Genehmigung des Hauptbetriebsplans wird in Kürze erwartet. Damit ist der Weg für den eigentlichen Bohr- und Baubeginn frei, meldet das ÜWG.

Bereits im vergangenen Jahr konnten die routinemäßigen Baugrund- und archäologischen Voruntersuchungen auf dem Grundstück ausgeführt werden. Bis zum Jahresende wird der endgültige Bohrplatz hergerichtet. Die Ausschreibungen für die beiden rd. 4000 m tiefen Bohrungen haben vor wenigen Tagen begonnen. Die Tiefbohrarbeiten starten nach erfolgreicher Vergabe Anfang nächsten Jahres. Bei den Tiefbohrungen kommt kein Fracking zum Einsatz, betont das ÜWG.

2017 könnte der Kraftwerksbau beginnen. Im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses "DialoGGeo" wurden Interessierte in acht öffentlichen Bürgerforen informiert. Ein projektbegleitender Geothermie-Beirat, bestehend aus Vertretern von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden, der Kirche, der Landwirtschaft und der Politik, erarbeitete Forderungen an das Geothermieprojekt, die bei der Umsetzung durch die ÜWG zu berücksichtigen sind. Mittlerweile sind alle Forderungen bearbeitet. Ein lokales seismisches Monitoringnetz wird vor Beginn der Bohrarbeiten eingerichtet. Die Inbetriebnahme der Messnetze ist für den Herbst 2015 vorgesehen.

Zeitgleich mit dem Aufbau der beiden Monitoringmessnetze soll ein Beweissicherungsverfahren in den umliegenden Ortschaften stattfinden. Hierbei wird der Zustand von repräsentativen Bauobjekten festgestellt. Zentrales Thema im Rahmen der Bürgerbeteiligung war der Umgang mit möglichen Schäden durch den Bau und Betrieb des Geothermiekraftwerks. Seit Jahresende 2014 hat das ÜWG eine Versicherung mit Beweislastumkehr abgeschlossen. Es ist also Aufgabe der Versicherung, per Gutachten nachzuweisen, dass potentielle Schäden nicht durch das Geothermieprojekt verursacht wurden. Damit wird eine zentrale Forderung erfüllt.

Im Rahmen des Bürgerdialoges wurde ebenfalls gefordert, dass eine neutrale Anlaufstelle in Gestalt eines unabhängigen Ombudsmannes und ein Treuhandfonds für eine schnelle und unkomplizierte Schadensabwicklung von Bagatellschäden eingerichtet werden. Beide Forderungen werden ebenfalls erfüllt. Mittlerweile hat der Geothermie-Beirat mit Dipl.-Ing. Gerhard Klingelhöfer einen kompetenten, öffentlich bestellten und vereidigten Bausachverständigen gefunden, der das Amt des Ombudsmannes übernimmt. Des Weiteren richtet ÜWG ein Treuhandkonto in Höhe von 1 Mio. € ein, um Bagatellschäden ohne formelle Gutachten frei zu ersetzen.

Der nördliche Oberrheingraben, in dem auch der Kreis Groß-Gerau liegt, ist für die Erdwärmegewinnung besonders geeignet, denn dort trifft man auf günstige geologische Bedingungen. Die errechnete durchschnittliche Thermalwassertemperatur in einer Bohrtiefe von 3500–4000 m liegt mit circa 160 bis 180° C deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt und ermöglicht so die Erzeugung von Strom und Wärme. Ein Geothermiekraftwerk könnte  rd. 25 Mio. kWh/a Strom produzieren. (hi)