Bahnstrom aus Bremen-Mittelsbüren (von rechts oben nach links unten): der alte Gichtgasblock 4, der Gas-Dampf-Neubau und davor die Umrichter von 50 Hz in 16,7 Hz. Bild: SWB

Bahnstrom made in Bremen

Vor 50 Jahren begann in Norddeutschland die Elektrifizierung der Eisenbahn. Der Strom kam und kommt aus Bremen-Mittelsbüren.

Mit dem damaligen Nobelzug der Deutschen Bundesbahn, dem "Rheingold", begann die Ära der elektrischen Traktion in Norddeutschland. Das Gichtgaskraftwerk in Mittelsbüren lieferte einphasigen Wechselstrom mit damals 16 2/3 Hz (heute 16,7 Hz). Der Brennstoff entstand im Stahlwerk, genauer oben im Hochofen in der so genannten Gicht*. 1974 betrug die Kraftwerksleistung an diesem Standort 210 MW. Damit war SWB, vormals Stadtwerke Bremen AG, einer der drei größten Produzenten von Bahnstrom in Deutschland. Statistisch fahre seither knapp jeder zehnte Zug in der Republik mit Strom aus Bremer Kraftwerken, rechnet SWB vor.

1996 wurde in Mittelsbüren eine neuartige Technik installiert: Ein statischer Umrichter verwandelt seitdem den 50-Hz-Drehstrom des Landesnetzes in den 16,7-Hz-Einphasenstrom der Bahn. Leistungselektronik setzt dazu zunächst den Dreh- in Gleichstrom um, um ihn dann in den niederfrequenten Bahnstrom zu konvertieren. Das funktioniert, wenn denn gewünscht, auch in umgekehrter Richtung – vom Bahn- ins Landesnetz.

Über "statische Umrichter" speist künftig auch der neue Gas-Dampf-Block der Gemeinschaftskraftwerk Bremen GmbH & Co. KG (GKB) ins Bahnnetz ein. Im GKB wird nämlich nur "normaler" 50-Hz-Drehstrom erzeugt werden. Bahnstrom-Generatoren sind nicht installiert.

Am GKB sind neben SWB und DB mehrere kommunale und regionale Versorger beteiligt – "mutige, gemeinsame unternehmerische Entscheidungen für hohe Investitionen in zukunftsweisende Kraftwerkstechnik", so Dr. Torsten Köhne, Vorstandsvorsitzender der SWB AG. 450 Mio. € wurden in den erdgasgefeuerten Block, Betriebsstart soll im Frühjahr 2015 sein, investiert. Dazu kommen zwei zusätzliche Umrichter für etwa 20 Mio. €.

Die DB Energie GmbH, der Energieversorger der Deutschen Bahn AG, hatte zuletzt mit der SWB-Tochter SWB-Erzeugung GmbH & Co. KG einen Vertrag zur Stromlieferung bis 2038 unterzeichnet. Von den im neuen Block produzierten 445 MW wird DB Energie 165 MW übernehmen. Gleichzeitig beteiligt sich die DB mit 2 % an der Betreibergesellschaft. (hi)

*Gichtgas besteht allgemein zu etwa 45–60 % aus Stickstoff, zu 20-30 % aus Kohlenmonoxid, zu rd. 20-25 % aus Kohlendioxid und zu etwa 2-4 % aus Wasserstoff. Dieses Gas kann mit seinem geringen Brennwert (3,4–4 MJ/m³) nur in speziellen Anlagen verstromt werden.