Ausgedient: Das Eon-Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist im Juni 2015 vom Netz gegangen. Bild: Rainer Lippert/Wikipedia

Bayern drängt auf Reservekraftwerk

Der Freistaat will in der Stromwirtschaft nicht in eine Situation der Instabilität und Unterversorgung rutschen.

Die bayerische Staatsregierung arbeitet im Schulterschluss mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) an einem Plan B für die Zeit nach dem Wegfall des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld Ende 2015. Dabei geht es um den Aufbau von Reservekraftwerks-Leistung in Bayern. Dies bestätigte die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner am Montag (16. Dez. 13) bei einer Pressekonferenz: "Wir stehen derzeit in engen Gesprächen mit Herrn Homann von der Bundesnetzagentur." Der Präsident der Behörde solle von der Notwendigkeit von Reservekraftwerks-Leistung überzeugt werden.

Auch der Hauptgeschäftsführer der VBW, Bertram Brossardt, zeigte sich zuversichtlich, dass "zum entsprechenden Zeitpunkt ein Ersatzkraftwerk stehen wird". Schließlich wird es mittelfristig eng um eine gesicherte Stromversorgung in Bayern. Eine jüngste Studie von Prognos geht von einer finalen Realisierung der Thüringer Strombrücke im Jahr 2017 aus. Trete dieser Fall ein, so müsste gerade die nordbayerische Region zwei Jahre ohne eine kraftvolle Energiezufuhr leben, da das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld Ende 2015 vom Netz geht. Die Strombrücke könne überdies nicht den Wegfall der weiteren Kernkraftwerke Gundremmingen und Isar 2 kompensieren. Gundremmingen erzeugt etwa ein Drittel des bayerischen Stroms.

In den Publikumsmedien wurde nun im Nachgang der Pressekonferenz vom Bau eines neuen Gaskraftwerks bis Ende 2015 gesprochen. Den Begriff "Gaskraftwerk" hatten weder Aigner noch Brossardt während der Pressekonferenz benutzt noch einen Termin genannt. Der Bau eines neuen Gas-und-Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerks könne, falls alle Genehmigungen vorliegen, innerhalb von 18–24 Monaten erfolgen, bestätigte eine Sprecherin von Siemens. Falls das Genehmigungsverfahren noch ansteht, verlängert sich die Bauphase weiter. Unter Aufbau von Reservekraftwerksleistung kann aber natürlich auch die Mobilisierung älterer Kraftwerke verstanden werden.

Die "Süddeutsche Zeitung" will nun erfahren haben, dass die bayerische Staatsregierung plant, ein Reservekraftwerk am Standort Grafenrheinfeld zu installieren. Die Informationen stammen von einem "Mann" aus der VBW. Laut "SZ" solle die Eon-GuD-Anlage im Malzenice (Slowakei) abgebaut und in Grafenrheinfeld neu aufgebaut werden. Das 430-MW-Kraftwerk startete im Januar 2011 und hatte bis Juni 2013 insgesamt eine Laufzeit von 5600 Betriebsstunden. Geplant waren eigentlich 4000-5000 Stunden – jährlich. Am 15. Juli hatte Eon in einer Pressemitteilung angekündigt, Malzenice in Kaltreserve zu überführen.

Zu den angeblichen Ab- und Wiederaufbauplänen äußerte sich ein Eon-Sprecher gegenüber der ZfK aber so: "Das ist absolute Spekulation." Solch eine Verlegung eines Kraftwerks sei noch nie erfolgt; im Falle müsse erst einmal kalkuliert werden, ob eine Verlegung wirtschaftlich sei. Zudem habe Grafenrheinfeld keinen Gasanschluss für solch ein großes Kraftwerk.

Die "SZ" berichtet ferner, Eon habe bereits im Juli im Gemeinderat von Grafenrheinfeld erste Überlegungen für den Bau und Betrieb eines modernen Gaskraftwerks präsentiert. (al)