Nachholbedarf auch in Bayern: BWE kritisiert die 10H-Regelung Bild: © Hantsch/IG Windkraft

BWE Bayern nimmt Stellung zu Söder-Brief an Merkel

Der Windkraft-Verband mahnt: Ohne die bayerische „10H“-Regelung hätten in Bayern bereits 2022 jährlich rund sieben Terrawattstunden zusätzlichen Windstrom erzeugt werden können.

Die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Markus Söder und Winfried Kretschmann, haben einen gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet. Sie fordern darin „auch für den Süden und die Länder Baden-Württemberg und Bayern eine nachhaltige energiepolitische Perspektive“. Die beiden Politiker warnen, dass mit dem Wegfall der Kernenergie und der Kohleverstromung eine Versorgungslücke drohe. Das sieht auch der Verband der bayerischen Wirtschaft (VBW) so.

Der bayerische Landesverband des Bundesverbands Windenergie (BWE) hat heute zu der von den beiden Politikern, aber auch aus der Wirtschaft geäußerten Befürchtung Stellung genommen. Aus Sicht des BWE Bayern hat Söder Recht, wenn er anmahnt, dass die im Koalitionsvertrag vorgesehene regionale Steuerung bei den Erneuerbaren sowie der vorgesehene Mindestanteil über alle Erzeugungsarten südlich des Netzengpasses zeitnah gesetzlich umgesetzt werden müssten.

Eine Mahnung auch an Söder

Richtig sei aber auch, so der BWE Bayern in seiner Stellungnahme, dass die Staatsregierung es bislang selbst versäumt habe, ein überzeugendes Konzept für eine erneuerbare Energiewende im Freistaat vorzulegen und deren Anteil entsprechend ihrem tatsächlichen Potential auszubauen. "Energiepolitisch hat also nicht nur der Bund Nachholbedarf", kritisiert der stellvertretende BWE-Landesvorsitzende Bernd Wust, insbesondere die Windenergie als – neben der Photovoltaik – größter und wichtigster Baustein einer CO2-freien Stromversorgung sei seit 2014 systematisch zurückgefahren worden.

Grund für den Rückgang im Zubau bei der Windkraft – und das bis heute auf nahezu Null – sei die seinerzeitige Einführung der 10H-Regelung. Hätte man stattdessen die Entwicklung der Jahre 2013 und 2014 fortgesetzt, würde man in Bayern bereits im Jahr 2022 jährlich rund sieben Terrawattstunden zusätzlichen Windstrom erzeugen. Dies entspricht einem Drittel der Jahresproduktion der beiden Atomkraftwerke, die Ende 2021 (Gundremmingen C) und Ende 2022 (ISAR 2) endgültig vom Netz gehen.

140 neue Windkraftanlagen

Die von Söder nun geforderten Gaskraftwerke können nach Meinung des BWE Bayern hingegen nicht mehr als eine Übergangstechnologie sein. Langfristig würden sie nicht für eine klimafreundliche CO2-freie Stromerzeugung taugen und Bayern von Gasimporten abhängig machen. "Preislich sind neue Gaskraftwerke mit Gestehungskosten von acht bis zehn Cent/kWh gegenüber modernen Windenergieanlagen auch in Bayern nicht konkurrenzfähig", rechnet Wust vor, "erst recht nicht bei weiter steigenden CO2-Preisen". Eine adäquate CO2-Bepreisung sei jedoch klimapolitisch unausweichlich.

In einem aktuellen Maßnahmenpapier, das der BWE Bayern für den von Staatsminister Aiwanger initiierten Energiegipfel erarbeitet hat, sieht der Branchenverband den Bedarf an einem jährlichen Windenergie-Zubau bis 2030 im Bereich von 1,2 – 1,3 Gigawatt im Süden Deutschlands, um den nationalen Energie- und Klimazielen gerecht zu werden. "Auf Basis der aktuellen Anlagentechnologie entspricht dies für Bayern einem Zubau von landesweit bis zu 140 Windenergieanlagen pro Jahr beziehungsweise von gerade einmal zwei Windenergieanlagen pro Landkreis und Jahr", erläutert Wust. (sig)