Wafer in einer Nassbank Bild: Q-Cells

Centrosolar kämpft

Centrosolar gehen langsam die liquiden Mittel aus; das Unternehmen hat eine Verlustanzeige veröffentlicht.

Es ist der Monat der Offenbarung für die deutsche Solarindustrie: Nachdem am Freitag Bosch den Ausverkauf der Solarsparte bekannt gab, Solarworld die Veröffentlichung des Finanzberichts wegen Restrukturierungmaßnahmen verschoben hatte, zog nun Centrosolar nach: Das Unternehmen hat am Montag eine Verlustanzeige gem. § 92 Abs. 1 AktG bekannt gegeben. In der Unternehmensgruppe ist ein Verlust nach Steuern in Höhe von -89,4 Mio. € eingetreten. Dadurch ist mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Der Umsatz sank 2012 wegen weiter fallender Preise um 22 % auf 227 Mio. €. Das Nettoergebnis lag mit -73,6 Mio. € deutlich unter dem Vorjahreswert von -16,8 Mio. €. Wegen der Zahlen wurde die Aktie kurzzeitig aus dem Handel genommen, weil der Wert um zweitweise 20 % einbrach. Nun will das Unternehmen die Solarglas-Sparte (Umsatz 38 Mio. €) veräußern. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts wird "aufgrund der außergewöhnlich hohen Erstellungs- und Prüfungsanforderungen" verschoben.

Nach dem angekündigten Rückzug von Bosch aus der Solarproduktion haben der Betriebsrat von Bosch Solar Energy in Arnstadt, Gewerkschaften und Thüringer Landespolitiker am Dienstag eine Überprüfung des Falls gefordert. In Erfurt unterzeichneten gestern der Betriebsrat, Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD), Vertreter der IG Metall und Arnstadts Bürgermeister Alexander Dill (parteilos) eine entsprechende gemeinsame Erklärung. Darin werden u.a. die verbindliche Zusage zur Aufrechterhaltung von Produktion und Beschäftigung am Standort Arnstadt bis mindestens Ende 2013 und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gefordert, außerdem die Einberufung eines "Nationalen Solargipfels" und die Unterstützung der Anti-Dumping-Klage der europäischen Solarindustrie durch die Bundesregierung. Bei Bosch Solar Energy in Arnstadt arbeiten etwa 1800 Mitarbeiter.

Unterstützung hat auch die Landesregierung in Brandenburg der Bosch-Tochter Aleo Solar AG in Prenzlau (Uckermark) zugesagt. «Wichtig ist nun, für den Aleo-Standort in Prenzlau mit seinen mehr als 700 Mitarbeitern eine neue Perspektive zu entwickeln», sagte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) am Dienstag nach Ministeriumsangaben bei seinem Besuch in dem Werk. (al)