Kirche verhindert Windrad

Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck bei München dürfen eine Windenergieanlage nicht bauen, weil die Kuratiekirchenstiftung St. Sebastian Puch dagegen ist.

Eigentlich wollten die Stadtwerke im Fürstenfeldbrucker Stadtviertel Puch ein Windrad aufstellen. Allerdings klagte die Kuratiekirchenstiftung St. Sebastian Puch gegen das Windkraftprojekt, weil sie den Denkmalschutz gefährdet sah. Das Gericht gab der Stiftung recht.

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte Lokalmedien zufolge schon grünes Licht für den Bau gegeben, zog die Genehmigung jedoch wieder zurück. Kurios: Die Pucher Kirche, um die es geht, fällt selbst nicht unter den Denkmalschutz. Denn sonst hätte das Genehmigungsverfahren erst gar nicht beginnen können.

Zudem hätten Simulationen der Stadtwerke gezeigt, dass die Kirche nicht von dem Windrad beeinträchtigt gewesen wäre. Der Abstand zwischen Kirche und Windrad wäre bei 1,9 km gelegen – weit genug, dass Seehofers 10-H-Regelung Genüge getan wäre. Bei Bauten unter Denkmalschutz gelten allerdings 3 km Abstand.

Das Bayerische Verwaltungsgericht wies nun den Berufungsantrag der Stadtwerke gegen den Baustopp ab. Demnach habe der Denkmalschutz eine höhere Bedeutung als das Windrad, so die Begründung.

Die Stadtwerke sind enttäuscht über das endgültige Aus. "Man muss sich schon fragen, wie die katholische Kirche zum einen das klare Bekenntnis zur Energiewende und zum anderen das vehemente Vorgehen gegen deren Umsetzung plausibel erklären will", so Enno Steffens, Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck. Die Verantwortlichen der Kuratiekirchenstiftung hätten sein Angebot zum Dialog nicht angenommen, beklagt er.

Laut dem Münchner Merkur hatte der Fürstenfeldbrucker Dekan bereits das Urteil zum Baustopp begrüßt. In der Erzdiözese gab man sich verhaltener: Gegen das Windrad juristisch vorzugehen, sei eine Entscheidung der Kirchenstiftung vor Ort, „die wir respektieren“, sagte ein Sprecher dem Blatt. Die Kirchenstiftung habe hier eigenständig gehandelt. Prinzipiell trete die Kirche für die Energiewende ein. Gegen den Willen der Menschen vor Ort könne man aber nichts durchsetzen. Man müsse die Menschen mitnehmen, heißt es dort weiter.

Stadtwerke-Chef Steffens will trotz des Aus nicht aufgeben beim Bau erneuerbarer Anlagen. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik: "Leider ist derzeit keine klare Linie zu erkennen, die Verantwortung für die Umsetzung der Energiewende wird ständig hin- und hergeschoben." Wenn man keine Trassen wolle, müsse man den Strom jedoch dezentral produzieren. "Das funktioniert aber nur mit deutlich konsequenteren und weitreichenderen Vorgaben und ohne weiteres Störfeuer wie etwa durch die 10-H-Regelung", so Steffens. (sg)