Vom 7. bis 9. März 2018 führte Yougov bei 2035 repräsentativ gewichteten Erwachsenen eine Onlineumfrage über 20 Jahre Strommarktliberalisierung durch. Auftraggeber Lekker, eine Konzerngesellschaft der Stadtwerke Krefeld, veröffentlichte sie am 11. April 2018. Grafik: © Yougov © Lekker Energie

Deutsche stehen hinter Stromwettbewerb

Die wenigsten Deutschen suchen bei den Versorgern die Schuld, dass ihre Haushaltskundenpreise in 20 Jahren Liberalisierung massiv gestiegen sind. Den Wechsel zu einem anderen Messstellenbetreiber könnten viele "sich vorstellen".

Die Liberalisierung des Strommarktes kommt nach 20 Jahren bei den Deutschen wieder gut an. 2000 befragte Erwachsene verbinden mit der Marktöffnung genau die Vorteile, die die Politik versprochen hatte. Das legt eine repräsentative Umfrage von Yougov nahe, die Lekker Energie, eine Zweitmarke der Stadtwerke Krefeld (SWK), am Mittwoch veröffentlichte. Am 29. April 1998 war die entsprechende Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Kraft getreten (gedruckte ZfK 5/98, 1).

Demnach herrscht ein überraschend tiefes Verständnis darüber, warum die Haushaltskundenpreise für Strom 1998 bis 2017 um 71 Prozent gestiegen sind (bei 3500 kWh Jahresverbrauch): Fast jeder zweite Befragte, nämlich 45 Prozent, bejaht, dass die Verteuerung vor allem mit steigenden Steuern und Abgaben zu tun hat, dass also der Staat die tatsächlich eingetretene Senkung der reinen Elektrizitätskosten mehr als ausgeglichen hat.

Fast jeder zweite Nichtwechsler zufrieden

Nicht einmal die Hälfte, nämlich nur jeder Fünfte, ist noch der Meinung, dass in erster Linie die Versorger selbst an der Preisschraube gedreht haben. 18 Prozent führen die Verteuerung hauptsächlich auf die Energiewende zurück.

Weitaus die Meisten, 79 Prozent, glauben, dass "die Verbraucher" allgemein profitiert haben. Von den Befragten, die mal den Versorger gewechselt haben, beanspruchen dies 91 Prozent für sich. Die meisten Nichtwechsler äußerten sich zufrieden mit ihrem aktuellen Lieferanten (46 Prozent). Fast zwei von Drei meinen, ohne den Wettbewerb wäre Strom für sie heute noch teurer. Einer deutlichen Mehrheit reicht auch die momentane Konkurrenzsituation aus.

81 Befragte: Ich habe schon neuen Messstellenbetreiber

Interessant für künftige Geschäftsmodelle mit dem wettbewerblichen Messstellenbetrieb und ein Anhaltspunkt dafür, was Lekker selbst vertrieblich erwägt: 47 Prozent bejahen die Frage, ob sie sich "vorstellen (könnten), bei der Umstellung Ihres analogen Stromzählers auf einen Smart Meter aktiv zu einem anderen Messstellenbetreiber zu wechseln". Zwei Prozent oder 81 der 2035 Befragten behaupten, das hätten sie schon getan. Vier Prozent meinen, sie hätten den Messstellenbetreiber "aktiv gewechselt, und 88 Prozent sind sich sicher, dass sie das nicht getan haben.

Marktöffnungs-Pionier Nuon

Die heutige Lekker Energie war früher der holländische Energieversorger Nuon. Er stieg 2000 mit der Übernahme eines Industrieparks in Heinsberg in den deutschen B2B-Stromwettbewerb ein. Seit 2001 war er dort auch Grundversorger (nur Elektrizität). 2006 belieferte er als einer der Ersten auch Haushaltskunden aus anderen Regionen mit "Lekker Strom" und "Wakker Gas". 2010 übernahm der Hagener Kommunalversorger Enervie den deutschen Teil von Nuon, den Vattenfall kartellbehördlich nicht übernehmen durfte, und nannte ihn in Lekker um. Letztlich übernahmen 2013 die Stadtwerke Krefeld 100 Prozent. (geo)