Was Segelschiffe schon lange ausnutzen: die Kraft des Windes. Diese soll künftig auch frachtergroßen Energieschiffen über riesige Drachsegel zugeführt werden. Bild: Chris / pixelio.de

„Segelenergie“

Power-to-Gas-"Vater" Prof. Sterner sieht Riesenpotenzial im Nordatlantik.

„Energieschiffe” könnten das Windpotenzial im Nordatlantik konstant „ernten” und erneuerbare Kraftstoffe mit hoher Energiedichte gewinnen. Wesentliche Bestandteile des Konzepts namens „Segelenergie” wurden im Mai zum Patent angemeldet. Details stellte Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner, Fakultät Elektro- und Informationstechnik an der TH Regensburg, am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit vor.

Die Idee ist demnach folgende: Frachtergroße, von Drachsegeln getriebene Schiffe „folgen dem Wind” im Nordatlantik und sammeln per Strömungsturbine am Schiffsbug Energie ein, die an Bord per Elektrolyse in Wasserstoff und unter Beimischung von CO2 auch in Methan oder Methanol umgewandelt werden kann. Die Energielieferung würde nach etwa drei Monaten großer Fahrt an den Küstenhäfen erfolgen.

Etwa 2200 Schiffe der 5-MW-Klasse könnten den derzeitigen Biokraftstoffanteil von 5 % ersetzen, für den heute etwa 90.000 Traktoren rd. 2,4 Mio. ha Land beackern, erklärte Sterner bei der Dena Jahreskonferenz Power-to-Gas in Berlin.

Hauptargumente für das Konzept, das Desertec-Dimensionen annehmen könnte, seien die verglichen mit der Energiegewinnung an Land riesigen bisher kaum genutzten Areale sowie die hohen Windgeschwindigkeiten auf See.

Sterner, der sich als Erfinder und „Vater” des Power-to-Gas-Konzepts sieht, betitelt die neue Idee neben „Segelenergie” auch mit  „Power-to-Gas 2.0”, gibt für die Urheberschaft allerdings seinem Mitarbeiter Thomas Raith die Ehre. Näheres auch zur Wirtschaftlichkeit haben die Forscher auf der Website www.segelenergie.de zusammengetragen.

Demnach kommt ein 90 m langes 2-MW-Energieschiff abzüglich Hafen- und Übergabefahrten und einschließlich Wartungsintervallen mit einer Auslastung von 80 % (7000 Volllaststunden) auf einen jährlichen Kraftstoffertrag von ca. 630.000 l Sprit in Form von Erdgas (LNG, CNG). Genügend, um ca. 630 Automobile mit einer Fahrleistung von 20.000 km pro Jahr und einem Spritverbrauch von 50 kWh / 100 km (ca. 5 l / 100 km) für ein Jahr zu betanken. Die Kosten ergäben „nach bisherigen Berechnungen” folgende Werte: Wasserstoff: ab 15 ct/kWh, Methanol: ab 20 ct/kWh, Methangas: ab 23 ct/kWh. (hf)