Kohleausstieg: es wird jedenfalls teuer. hier das Kraftwerk Gaisburg in Stuttgart. Bild: © EnBW

Energiewende: Klimaziel ist zu schaffen, aber es wird teuer

Die NRW-Landesregierung hat das EWI mit einer Untersuchung der Folgen der Energiewende beauftragt. Das Ergebis: Ein Kohle-Ausstieg bis 2030 ist machbar, kostet aber sehr viel Geld.

Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen untersuchte das EWI die Auswirkungen des von der „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ beschlossenen Kohleausstiegspfads. Dazu wurden mithilfe des europäischen Strommarktmodells DIMENSION+ die Entwicklungen eines Referenzszenarios mit denen des Kohleausstiegsszenarios verglichen.

In der Analyse kommt das EWI zu folgenden zentralen Ergebnissen: Der empfohlene Ausstiegspfad ermöglicht es, das Klimaziel 2030 für den Energiesektor auch bei moderat steigender Stromnachfrage zu erreichen. Im Referenzszenario hingegen wird dieses Ziel deutlich verfehlt. Europaweit werden durch den Kohleausstieg 1.000 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Allerdings ist im Kohleausstiegszenario bis 2025 ein ambitionierter Zubau von Spitzenlastkraftwerken notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Für die Verbraucher wird's teuer

Die Strompreise steigen in beiden Szenarien aufgrund zunehmender Preise für CO2-Zertifikate deutlich an. Der Kohleausstieg führt zu einem zusätzlichen moderaten Strompreisanstieg. Für die betrachteten deutschen Industrieunternehmen nehmen die Strompreise im Vergleich zum Ausland in beiden Szenarien verhältnismäßig stark zu. Beihilfezahlungen zur Kompensation indirekter CO2-Kosten, die sogenannte Strompreiskompensation, können den Anstieg der Strompreise begrenzen.

Das EWI ging von einem Referenzszenarios aus, das im Gegensatz zum Kohleausstiegszenario nur einen geringfügigen Rückgang Kohleverstromung bis 2030 aufweist: dann sind noch 17 GW Steinkohle- und 16 GW Braunkohlekapazitäten am Markt. Insgesamt sind 2050 noch 6 GW Steinkohlekapazitäten am Netz. Ab 2035 verbleiben vor allem Steinkohlekraftwerke mit KWK am Markt. Braunkohlekapazitäten gehen ab 2030 stark zurück, das letzte Braunkohlekraftwerk geht nach 2045 vom Netz. Umgelegt auf die deutsche Stromnachfrage beträgt die Finanzierungslücke im Referenzszenario maximal 5 EUR/MWh.

Kohleausstieg: ziemlich ambitioniert

Im Ausstiegsszenario werden Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke entsprechend der Beschlüsse der WSB-Kommission vom Markt genommen. Im Jahr 2030 sind dann noch 8 GW Steinkohle- und 9 GW Braunkohlekapazitäten am Markt. Der notwendige Zuwachs an Backup-Kapazitäten beträgt im Ausstiegsszenario zwischen 2020 und 2025 etwa 22 GW. Aufgrund des zusätzlichen Bedarfs an Backup-Kapazitäten ist die Finanzierungslücke im Kohleausstiegszenario größer als im Referenzszenario. Bezogen auf die deutsche Stromnachfrage beträgt die Finanzierungslücke bis zu 6 EUR/MWh. Im Zeitraum von 2030 bis 2040 ist sie bis zu 1,5 EUR/MWh höher als im Referenzszenario.

Bis zum Jahr 2030 erfolgt in beiden Szenarien ein signifikanter Zubau von Photovoltaik(PV)-und Windenergieanlagen (an Land und auf See). Technologieübergreifend liegt der durchschnittliche jährliche Zubau im Zeitraum bis 2030 bei 7,9 GW pro Jahr. Die installierte EE-Kapazität in 2030 beträgt nach diesem Szenario 221 GW. Zwischen 2030 und 2050 sinkt dann der durchschnittliche jährliche Zubau von PV-und Windenergieanlagen in Deutschland auf rund 3,1 GW. Aufgrund der im Referenzszenario ohnehin ambitionierten Zubauraten erfolgt im Kohleausstiegsszenario kein zusätzlicher EE-Zubau.

Rolle als Stromexporteur könnte verlorengehen

Im Referenzszenario bleibt Deutschland bis 2050 durchgehend Netto-Stromexporteur. Nach 2030 sinken die Netto-Stromexporte aufgrund des kontinuierlichen Rückgangs der Stein- und Braunkohleverstromung von 68 TWh/aim Jahr 2030 auf 18 TWh/aim Jahr 2050. Der Rückgang der Kohleverstromung wird nur teilweise durch gasbasierte Erzeugung kompensiert. Im Ausstiegszenario wird das schnellere aus für die Kohle durch einen Anstieg der gasbasierten Erzeugung teils kompensiert, aber die Exportüberschüsse werden gänzlich verschwinden kompensiert. Erst durch die hohe Einspeisung aus EE-Anlagen kann Deutschland nach 2045 wieder zum Netto-Stromexporteur werden.

Auch klimapolitisch kann das EWI eine klare Aussage machen. Im angenommenen Referenzszenario wird das sektorale Klimaziel für die Energiewirtschaft im Jahre 2030 mit 261 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent um insgesamt 82 Mio. t Tonnen verfehlt. Im Ausstiegsszenario gehen die THG-Emissionen in der Energiewirtschaft schneller zurück. Im Jahr 2030 werden nur noch 189 Mio. t CO2-Äquivalent emittiert – rund 28 Prozent weniger als im Referenzszenario. Das sektorale Klimaziel der Energiewirtschaft könnte dementsprechend bei die Einsparung weiterer 10 Mio. t, etwa durch das von der WSB-Kommission beschlossene Innovationsprojekt, erreicht werden. (sig)