Maroš Šefčovič, Vize-Präsident der EU gestern Abend in Brüssel bei einer Veranstaltung von Solar Power Europe. Bild: hcn

Solarbranche warnt Einspeisevorrang zu streichen

Eine Lanze für den verstärkten Ausbau der Photovoltaik brach Maroš Šefčovič, Vize-Präsident der EU Kommission gestern Abend in Brüssel.

„Ich rechne damit, dass die Kosten für Solarstrom in vielen europäischen Ländern in absehbarer Zeit auf unter vier Cent pro Kilowattstunde sinken und damit Photovoltaik noch konkurrenzfähiger wird“. Dies unterstrich Šefčovič gestern Abend bei einer Veranstaltung des Branchenverbandes Solar Power Europe in Brüssel. Anlass war, dass jüngst die 100 Gigawatt Marke für die installierte Photovoltaik Leistung in Europa geknackt wurde. „Damit sind wir Nummer Eins in der Welt“, betonte der Vizepräsident der EU-Kommission.

Nun müsse es darum gehen, nicht stehen zu bleiben, auch aus wirtschaftlichen Gründen, sagte Šefčovič. Momentan erwirtschafte die Photovoltaikbranche in Europa schon eine Wertschöpfung von gut sechs Milliarden Euro, dies könne durch den weiteren Ausbau auf mindestens acht Milliarden Euro innerhalb der kommenden Jahre gesteigert werden. Bis 2020 setzte Šefčovič ein Ausbauziel von mindestens 150 GW installierter Photovoltaikleistung in Europa. Branchenvertreter wiesen jedoch darauf hin, dass im vergangenen Jahr nur rund sechs GW Photovoltaik in Europa neu installiert wurde, im Gegensatz zu Ländern wie China und den USA, wo sich der Zubau im zweistelligen Gigawatt-Bereich bewege.

Doch der weitere Ausbau der Photovoltaik muss in eine verstärkte Flexibilisierung, ein intelligenteres Strommarktdesign, die Stärkung von Prosumern und die Sektorenkopplung eingebunden sein, unterstrich Šefčovič und erhielt hierfür viel Beifall. Kritisch diskutiert wurde jedoch der vorgesehene Wegfall des Einspeisevorrangs für erneuerbaren Strom. Dies ist laut Alexandre Roesch, Policy Director von Solar Power Europe im Rahmen des kommenden EU „Winterpakets“ derzeit vorgesehen. „Wir sehen dies sehr kritisch, weil dies dazu führen könnte, dass Solar- und Windkraftanlagen noch öfter als bisher abgeschaltet und damit klimafreundlich erzeugter Strom nicht genutzt wird“, unterstrich Roesch im Gespräch mit der ZfK. Um dies zu verhindern müsse zum einen fossiler und Atomstrom ebenfalls „voll an den Markt herangeführt“ werden und die Rahmenbedingungen für die Sektorenkopplung, Speicherung und Eigenverbrauch verbessert werden.

Nun müsse es darum gehen, dies in dem kommenden EU „Energie-Winterpaket“ zu verankern. Dieses soll die bisherige EU Renewable Energy Directive ablösen. Im Dezember soll ein Richtlinienentwurf vorgelegt werden. Vorgesehen ist ein Mindestanteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch in Europa bis 2030 in Höhe von 27 Prozent, dies entspräche einem erneuerbaren Stromanteil von rund 50 Prozent. Solar Power Europe fordert einen erneuerbaren Anteil am Gesamtenergieverbrauch in der EU von mindestens 35 Prozent bis 2030. (hcn)