Ausgedient: Das Eon-Kernkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt ist im Juni 2015 vom Netz gegangen. Bild: Rainer Lippert/Wikipedia

Grafenrheinfeld: Der Atommeiler hat ausgedient

Nach 33 Jahren geht das älteste noch aktive Kernkraftwerk Deutschlands am Samstag endgültig vom Netz.

"Der 27. Juni ist definitiv", sagte Erwin Fischer, Geschäftsführer von Eon Kernkraft gegenüber den Medien. In der Nacht zum Sonntag soll das KKW im unterfränkischen Grafenrheinfeld abgeschaltet werden. Bis dahin werde die Leistung des Generators Tag für Tag reduziert. Der Reaktor selbst werde von Hand heruntergefahren, sagte Kraftwerksleiter Reinhold Scheuring. Erneuerbare Energien würden die Abschaltung von Grafenrheinfeld kompensieren, sagt die Agentur für Erneuerbare Energien.

Das Aus des unterfränkischen Kernkraftwerks ist der Beginn der zweiten Phase des 2011 beschlossenen deutschen Atomausstiegs. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wurden acht AKW sofort stillgelegt, neun sollten bis 2022 folgen.

Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) liegt südlich von Schweinfurt beim unterfränkischen Grafenrheinfeld am linken Mainufer. Baubeginn war 1974 durch die Bayernwerk AG, Inbetriebnahme war am 9. Dezember 1981. Es handelt sich um einen Druckwasserreaktor der dritten Generation ("Vor-Konvoi"-Anlage) mit einer Bruttoleistung von 1345 MW. Die jährliche Stromproduktion beläuft bzw. belief sich durchschnittlich auf über 10 Mrd. kWh. Betreiber ist die Eon Kernkraft GmbH mit Sitz in Hannover. Das Kernkraftwerk hat zwei Kühltürme mit einer Höhe von jeweils 143 m.

Die EU veranlasste nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima einen "Stresstest für Kernkraftwerke". In der EU stehen 134 KKWs an 68 Standorten, davon wurden 24 Standorte inspiziert. Im Ende 2012 veröffentlichten Abschlussbericht konstatierten die internationalen Atomexperten ("Peer Review"), die Anlage sei "nicht in ausreichendem Maß gegen Erdbeben ausgelegt"; ferner wurde das Fehlen hinreichender Erdbebenmesssystemen bemängelt. (hi)