So sehen IWES-Wissenschaftler den notwendigen Zubau von Offshore-Windenergie. Der vorgeschlagene Pfad liegt noch über dem Szenario der Bundesregierung. Bild: IWES

IWES: Offshore-Wind stärker nutzen

Eine Studie des Kasseler Fraunhofer-Institus plädiert für eine stärkere Gewichtung der Energie vom Meer. Von Vorteil seien die geringen Kosten und die stabile Einspeisung.

Beim Erzeugungsmix der Zukunft sollte die Offshore-Windenergie eine dominierende Stellung einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer IWES, die im Auftrag der Stiftung Offshore Windenergie entstand. Laut IWES-Studie sollte unter optimalen Bedingungen der Anteil von Offshore-Wind etwa 81 Prozent an der Windenergie erreichen. Zudem sollte das Verhältnis von Photovoltaik und Windenergie bei etwa eins zu fünf liegen. Dann wiese die Residuallast die geringsten Standardabweichungen auf. Netzausbau-Kriterien wurden bei der Arbeit nicht berücksichtigt.

Im Vergleich zu einer 2013 veröffentlichten Studie von IWES haben die Wissenschaftler die Energie vom Meer deutlich höher gewichtet. Schließlich stellte sich heraus, dass eine sektorübergreifende Energiewende nur mit einem deutlichen höheren Anteil von Windenergie vom Meer möglich sei.

4660 Volllaststunden im Jahr

Von Vorteil sind nun die guten Charakteristika des Energieträgers. Offshore-Windenergieanlagen haben schon heute sehr hohe Volllaststunden, die künftig im Mittel auf über 4660 Stunden ansteigen. Sie kommen damit auf über 8700 Betriebsstunden jährlich; dies entspricht einer Stromproduktion an rund 363 Tagen im Jahr. Zugleich schwankt ihre Produktion eher geringfügig. In über 90 Prozent aller Jahresstunden variiert ihre Leistung von einer Stunde auf die nächste um höchstens zehn Prozent der installierten Kapazität.

Die jüngsten Auktionen haben zudem gezeigt, dass Null-Cent-Angebote bereits jetzt möglich sind. Damit hat die Offshore-Windenergie eine starke Kostendegression erfahren. Die technologische Entwicklung ist frappierend: So erwarten die Wissenschaftler im Jahr 2030 Offshore-Anlagen von 13 MW Leistung mit 230-Meter-Rotoren beziehungsweise 2050 15-MW-Maschinen mit einem Rotordurchmesser von 240 Metern.

Alle Flächen nutzen

Im Ausbauszenario dieser Studie ist für das Jahr 2030 ein Offshore-Kraftwerkspark von 25 GW angenommen, der sich bis zum Jahr 2050 auf 57 GW vergrößert. "Diese Kapazität lässt sich realisieren, wenn alle aus heutiger Sicht nutzbaren Flächen in der deutschen Nord- und Ostsee bebaut werden", erläutern die Wissenschaftler Kaspar Knorr, Daniel Horst, Stefan Bofinger und Patrick Hochloff.

Damit die Vorteile der Offshore-Windenergie vollständig genutzt werden und sie die erforderliche Rolle im Energiesystem wahrnehmen kann, müssten die im EEG 2017 definierten Ausbaukorridore für Windenergie auf See deutlich angehoben werden, so das Schlussresümee der Fraunhofer-Experten. Ende Juni waren in der deutschen Nord- und Ostsee 4749 MW Leistung am Netz.

Die Studie steht auf den Seiten der Stiftung Offshore Windenergie zum Download bereit. (al)