Sieht die Übertragungsnetze am besten in staatlicher Hand: N-Ergie-Chef Josef Hasler.
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N-Ergie-Chef Hasler: Übertragungsnetzbetreiber gehören in öffentliche Hand

Die vier Übertragungsnetzbetreiber sollten nach Ansicht des N-Ergie-Vorstandschefs Josef Hasler verstaatlicht werden. 50 Hertz-Chef Boris Schucht sieht dies naturgemäß anders.

„Stromversorgung ist Daseinsvorsorge. Gerade in dieser Zeit sollte sie zumindest teilweise in staatlicher Hand sein. Über das Regulierungsregime bekommen sie die Herausforderungen und Probleme nicht in den Griff“, sagte der Chef des Nürnberger Regionalversorgers am Mittwoch auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2018 in Berlin. Das gelte vor allem für die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. „Bei denen spricht alles dafür. Es kann nicht sein, dass mit jeder zusätzlichen Investition die Gewinne nach oben klettern“, so Hasler.

Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz Transmission, meldete logischerweise Widerspruch an. Zwar handele es sich um natürliche Monopole, aber die Unternehmen seien verpflichtet, den diskriminierungsfreien Zugang zu gewähren. Zudem werde eine zurückhaltende Investitionspolitik gefahren. „Wir versuchen, uns selbst in Frage zu stellen und überlegen, wie wir den Netzausbau optimieren können“, betonte Schucht. „Investitionsgeil sind wir definitiv nicht.“ 50 Hertz gehört zu 60 Prozent dem belgischen Netzbetreiber Elia und zu 40 Prozent dem australischen Infrastrukturfonds Industry Funds Management (IFM).

„Wir beobachten ein grundsätzliches systemisches Moment“

N-Ergie-Chef Hasler warnte in dem Streitgespräch erneut vor einem Eingriff in die Kompetenz der Verteilnetzbetreiber. „Wir beobachten da ein grundsätzliches systemisches Moment. Die Frage ist, wie weit schwappt die Kompetenz der Übertragungsnetzbetreiber in die Verteilnetzebene hinein“, erklärte Hasler. Eine kaskadierte Zusammenarbeit müsse immer gewährleistet sein. Denn es seien die Verteilnetzbetreiber, die Versorgungssicherheit gewährleisteten. In den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 1,6 Mio. Erneuerbare-Anlagen an die Verteilnetze angeschlossen worden, „die Energiewende findet dort statt“, so der N-Ergie-Chef. Sein Unternehmen allein habe mittlerweile rund 50 000 Ökostrom-Anlagen angeschlossen, die ersten davon liefen nun aus der Förderung heraus. „Um diesen Kunden die entsprechenden Produkte anbieten zu können, brauchen wir die Datenhoheit.“

„Wir greifen nicht ohne Absprache in die Verteilnetze ein“, konterte 50 Hertz-Chef Schucht. Dafür sorgten schon strenge vertragliche Vorgaben. Ein Übertragungsnetzbetreiber müsse aber zum Beispiel exakt wissen, wie viele Erneuerbare-Anlagen sich in einem Netzgebiet befinden. „Jeder bekommt nur die Daten, die er benötigt“, betonte Schucht. (hil)