Prof. Peter Birkner nahm sich die künftige Entwicklung des Energiesystems vor. Bild: ZfK/mn

Noch zehn Jahre für das Speicherproblem

Der ehemalige Mainova-Vorstand, Prof. Birkner, rät auf der VKU-Erzeugungskonferenz, zunächst auf kostengünstige Lösungen zu setzen.

Die Energiewende konzentriert sich nach Ansicht von Prof. Peter Birkner zunehmend auf das Thema Dekarbonisierung. Auf der Erzeugungskonferenz des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Kassel untermauerte dies der ehemalige Mainova-Vorstand und heutige Geschäftsführer des House of Energy – einer kürzlich gegründeten Denkfabrik für die Energiewende in Hessen – mit konkreten Zahlen. Bislang seien rund 2000 Gigatonnen CO2 in der Erdatmosphäre ausgestoßen worden. Wenn man das Zwei-Grad-Ziel erreichen wolle, dürften bis zum Jahr 2100 noch 800 Gigatonnen in der Atmosphäre deponiert werden. Werde das 1,5-Grad-Ziel angestrebt, muss ein weiterer CO2-Ausstoß gänzlich unterbleiben.

Der Weg beim Ausbau erneuerbarer Energien ist für Birkner mit dem Etappenziel 2050 mit einem geplanten Anteil von 80 Prozent an der Stromerzeugung vorgezeichnet. Nach seiner Einschätzung haben erneuerbare Energien noch ein erhebliches Potenzial zur Kostensenkung, ganz im Gegensatz zur konventionellen Erzeugung, bei der die Kostensituation potenziell eher nach oben zeige. Ein Beispiel seien Filteranlagen zur Verhinderung von Quecksilber-Emissionen.

Eine klare Vorstellung hat der ehemalige Mainova-Vorstand auch beim Thema Speicherung. "Wir haben noch etwa zehn Jahre, das Problem zu lösen." Seine Empfehlung lautet: Bis dahin sollte die Zeit zur Entwicklung marktfähiger Lösungen genutzt werden und nicht bereits heute inübermäßig teure Lösungen investiert werden. Birkner machte dies auf der Veranstaltung in Kassel an einem konkreten Beispiel deutlich. Die spezifischen Investitionskosten einer Power-to-Gas-Anlage seien heute noch etwa 20 Mal so hoch wie die einer Power-to-Heat(P2H)-Anlage; der Trend gehe jedoch in Richtung Faktor zehn. Deshalb rät Birkner zunächst noch auf P2H zu setzen.

Die Optionen der autonomen Energieversorgung sind laut Birkner je nach Anwendungsfall sehr unterschiedlich. Während der durchschnittliche Privathaushalt die Möglichkeit hat, sich bis zu 70 Prozent selbst zu versorgen, seien die Potenziale in der Industrie, die zwei Drittel des Stromverbrauchs in Deutschland auf sich vereint, wesentlich geringer. Birkner verwies in Kassel darauf, dass in den Industrieunternehmen im Durchschnitt lediglich ein Autarkiegrad von 20 Prozent möglich sei. (mn)