Praxistest für günstigen Stahlspeicher

Der Stahlspeicher von Lumenion ist ein Hochtemperaturspeicher, der für die Kurzzeitspeicherung optimiert ist.

Alexander Voigt ist der Gründer von Lumenion. Seit den 90er Jahren führt er Solarmodule und Speicher erfolgreich in den Markt ein.

Ein Stahlspeicher könnte die Lösung für kurzfristige Speicherung von Stromspitzen sein. Ein erstes Modul wird nun unter realen Bedingungen in Berlin getestet.

Die Unternehmen Vattenfall, Gewobag und Lumenion pilotieren gemeinsam einen neuartigen, sektorenkoppelnden Stahlspeicher. Am Bottroper Weg in Berlin-Tegel steht der Kurzzeitspeicher, der regionale Erzeugungsspitzen aus Wind- und Sonnenenergie netzdienlich aufnimmt und die erneuerbare Energie später bedarfsgerecht als Wärme und Strom bereitstellt.

Der 2,4 MWh Speicherblock wird hier für den kommerziellen Einsatz erprobt und in den regelmäßigen Betrieb überführt. Dazu wird die Einheit mit einem bestehenden gasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) der Vattenfall Energy Solutions in die Quartierstrom- und Nahwärmeversorgung eines 70er Jahre Geschosswohnungsbaus der Gewobag integriert.

Preisgünstige Speicherung durch Stahl

„Mit diesem Pilotprojekt wollen wir die besondere technische und wirtschaftliche Eignung von thermischen Speichern zur effektiven Nutzung großer Mengen von Wind- und Sonnenenergie ganz praktisch demonstrieren“, erklärt Alexander Voigt, Gründer und Geschäftsführer von Lumenion. Man habe sich bewusst für Stahl als Speichermedium entschieden, da so eine preisgünstige Speicherung möglich sei, erklärt Voigt, der als Mitgründer von Solon, Q-Cells und Younicos schon seit den 90er Jahren Solarmodule und Speicher erfolgreich in den Markt eingeführt hat.

Für weniger als zwei Cent pro kWh speichert der Lumenion-Stahlspeicher Stromspitzen. Diese werden kosten- und platzeffizient mit bis zu 650 Grad Celsius als Wärme gespeichert, welche bei Bedarf mittels einer Turbinen-Einheit rückverstromt – oder zur Gänze als Wärme genutzt werden kann.

Die Innovation geht weiter

Für Hanno Balzer, Geschäftsführer der Vattenfall Energy Solutions GmbH, ist das Projekt eine große Errungenschaft in Hinblick auf die Energiewende: „Dezentrale Anlagen und Energiespeicher sind Schlüsselfaktoren der Energiewende; Wärme ist eine besonders kostengünstige Form der Speicherung. Wenn dann die gespeicherte Energie nicht nur als Wärme, sondern auch in Form von Strom genutzt werden kann, ist das ein Meilenstein.“

Parallel zum Bau des Pilotprojekts erprobt Lumenion einen 450 kWh großen Prototyp auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Oberschöneweide. Die HTW unterstützt mit praktischer Begleitforschung Lumenion bei der Entwicklung, Erprobung und Validierung von Daten, sowie in der Regelung und Betriebsführung des innovativen Speichers. Und das Energie Start-Up Lumenion denkt noch größer: Aktuell steht die Entwicklung von Stahlspeichern mit 40 MWh und sogar 1400 MWh an. (hol)