Solarpark in Wittstock.
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PV-Marktprämie erstmals bei null Cent

Die erneuerbaren Energien stehen zunehmend auf eigenen Beinen. Mittlerweile sind erste Anlagen auch ohne die gleitende Marktprämie des EEG wettbewerbsfähig.

"Die gleitende Marktprämie des EEG wirkt. Die Marktintegration erneuerbarer Energien in den Markt funktioniert". Dies unterstrich Peter Röttgen, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) am Freitag (12. Oktober) in Berlin. Denn nachdem schon Offshore-Windkraftanlagen bei Ausschreibungen eine gleitende Marktprämie von null Cent erhielten, bekam im August auch erstmals eine Photovoltaikanlage, die an einer Auktionierung teilnahm, zusätzlich zum Börsenstrompreis kein Geld aus dem EEG-Konto.

Gleitende Marktprämie nicht fix

Ein 1,4 MW Solarpark in Wittstock (Brandenburg) erhielt bei der Ausschreibung im vergangenen Jahr einen Zuschlag in Höhe von 5,42 Cent/kWh. Der Marktwert für Solarstrom, sprich der Börsenstrompreis, betrug im August 5,595 Cent/kWh. Die gleitende Marktprämie des EEG ist nicht fix, sondern wird nur bezahlt, wenn der wettbewerblich ermittelte Gebotswert bei einer Ausschreibung überhalb des Börsenstrompreises liegt.

"Wir erwarten, dass künftig immer mehr Photovoltaik- und auch Windenergieanlagen, die sich an Ausschreibungen beteiligen, ohne die gleitende Marktprämie auskommen", sagte Röttgen. Treibende Faktoren für die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit von Sonne und Wind sieht der BEE in deren weiter sinkenden Kosten, steigenden CO2-Zertifikatspreisen, sich erholenden Börsenstrompreisen sowie steigenden Preisen für Öl, Kohle und Gas. "Verstärkt wird dieser Trend künftig noch durch den Atom- und Kohleausstieg", so Röttgen.

Weitere sinkende Förderkosten – mehr Flexibilität im System als erwartet

"Wir rechnen mit weiteren sinkenden Förderkosten aufgrund steigender Marktwerte erneuerbarer Energien", unterstrich auch Marco Nicolosi vom Beratungsunternehmen Connect Energy Economics. Die beiden Systeme der konventionellen und erneuerbaren Energien seien in den vergangenen Jahren immer mehr zusammengewachsen. Zudem zeigten bisherige Erfahrungen, dass "wir deutlich mehr Flexibilität im System haben, als wir dachten", so Nicolosi.

Durch den Markthochlauf der E-Mobilität würden voraussichtlich noch wesentliche Mengen dazu kommen, indem Autobatterien für Flexibilitätsdienstleistungen genutzt würden. Lotte Lehmbruck von Next Kraftwerke verwies hierbei auf die gestiegene Bedeutung des Intraday-Handels sowie der gesunkenen Regelenergieabrufe in dem Erneuerbaren-Portfolio des Direktvermarkters.

Röttgen: "Notwendiger Mechanismus"

Das EEG spiele für den politisch gewünschten Ausbau der erneuerbaren Energien und damit verbunden für die Refinanzierung Erneuerbarer-Energie-Anlagen weiterhin eine wichtige Rolle. Das Gesetz ist dabei so konstruiert, dass die Marktprämie sich automatisch in dem Maße reduziert, wie der Marktwert der erneuerbaren Energien steigt und die Kosten fallen, sagte Röttgen. Insofern handle es sich um einen "notwendigen Mechanismus", um Innovationen voranzubringen. Dabei übernehme die gleitende Marktprämie immer stärker die Rolle der Risikoabsicherung. Dies trage dazu bei, dass Risikozuschläge minimiert werden, wodurch der Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich kostengünstiger stattfinden könne.

Politik ist gefordert

"Die Branche steht zu den Ausschreibungen und weiteren Kostensenkungen, obwohl diese auch manchmal schmerzhaft sind", sagte Röttgen. Doch nun sei die Politik gefordert, die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen auf den Weg zu bringen. Nötig sei auch eine Steuer- und Abgabenreform im Energiebereich, um noch mehr Flexibilität nutzen zu können. (hcn)