Salzschmelze, durch Strom aus erneuerbaren Energien erhitzt, kann die Braunkohle-Verstromung ganz oder teilweise substituieren. Das hofft jedenfalls RWE. Bild: © RWE

RWE plant Wärmespeicherkraftwerk im Rheinischen Revier

RWE hat möglicherweise einen Weg gefunden, um nach dem Ende der Braunkohleverstromung die wegfallende Grundlast durch erneuerbare Energien zu ersetzen und zugleich die alten Kraftwerke ökologisch sinnvoll weiter zu nutzen.

Mehrere tausend Tonnen heißer Salzschmelze sollen schon in wenigen Jahren helfen, unregelmäßig anfallenden Strom aus regenerativen Energien in großem Stil zu speichern: Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der FH Aachen plant RWE Power ein Pilotprojekt zur Energiespeicherung auf Flüssigsalz-Basis. Dabei wird ein bestehendes Kohlekraftwerk im Rheinischen Revier zu einem Wärmespeicherkraftwerk umgerüstet.

Wenn überschüssiger Strom anfällt, wird der in einem solchen Kraftwerk genutzt, um flüssiges Salz auf bis zu 600 Grad aufzuheizen. Bei erhöhtem Strombedarf wird diese Salzschmelze zur Dampferzeugung über einen Wärmetauscher geleitet. Das Salz kühlt dabei auf 250 bis 300 Grad ab und wird erneut zwischengespeichert. Der entstehende Dampf wird zur Stromerzeugung in die Turbine des Kraftwerkblocks eingespeist. Dort ersetzt er einen Teil der ansonsten mit Braunkohle erzeugten Dampfmenge.

Unterstützung vom Land NRW

Das Land NRW unterstützt den Projektvorschlag und hat ihn als Leitprojekt in das Sofortprogramm "Das Rheinische Zukunftsrevier" aufgenommen. Für die Planungsarbeiten zur ersten Anlage dieser Art stellt NRW im Rahmen seines Förderprogramms "Progres.NRW" 2,9 Mio. Euro bereit. Zudem beabsichtigen die Projektpartner, eine Förderung durch den Bund für die Realisierung zu beantragen. Dazu muss jedoch erst ein Standort für die Pilotanlage gefunden werden.

Andreas Pinkwart (CDU), Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sagt schon jetzt Förderung zu: „Das geplante Wärmespeicherkraftwerk ist ein herausragendes Leitprojekt für das Rheinische Zukunftsrevier. Durch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur wird ein wichtiger und nachhaltiger Beitrag für die Speicherung erneuerbarer Energien und zur Versorgungssicherheit geleistet. Zudem werden wichtige Impulse für Wertschöpfung und Beschäftigung in der vom Strukturwandel betroffenen Region gegeben."

Vorsorge für das Nach-Kohle-Zeitalter

Mit dem fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien kann die Kapazität des Wärmespeichers schrittweise erweitert und damit im Gegenzug der Einsatz von Braunkohle weiter verringert werden, was sowohl ökologisch als zur Befriedung der politischen Lage in der Region auch angeraten scheint. "Das Projekt hat großes Potenzial – nicht nur mit Blick auf Energiewende und Versorgungssicherheit, sondern auch für den Strukturwandel im Rheinischen Revier", bestätigt Lars Kulik, Vorstandsmitglied der RWE Power.

"Wenn sich die Technik bewährt, könnten Wärmespeicher ebenso dazu beitragen, dass unsere Kraftwerksstandorte in der Region auch nach Ende der Kohleverstromung eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen", so Kulik weiter. Nach dem Auslaufen der Kohleverstromung kann ein Wärmespeicherkraftwerk sogar vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden – dies könnte einen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Zeitalter nach der Kohle darstellen. (sig)