Thüringens Umweltministerin, Anja Siegesmund
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Siegesmund fordert Nachbesserung beim Mieterstromgesetz

Lange Zeit konnten nur Eigenheimbesitzer ihren Strom von Solaranlagen auf dem Dach beziehen. Nun ist das auch Wohnungsmietern möglich. In Erfurt haben nun die Stadtwerke Erfurt die erste Mieterstromanlage Erfurts in Betrieb gegangen.

Nach Auffassung von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sind die bürokratischen Hürden zur Förderung von Mieterstrom-Projekten noch zu hoch. Sie setze sich dafür ein, dass das Bundesgesetz von 2017 in einigen Punkten nachgebessert werde, um die Installation von Solaranlagen auf Mietshäusern zu erleichtern, sagte Siegesmund in Erfurt. Korrekturen seien unter anderem bei der Größe und Leistungsfähigkeit der Anlagen sowie dem bisherigen Ausschluss von Projekten für ganze Wohnquartiere nötig.

Die bestehenden Einschränkungen sind ihrer Meinung nach der Grund, warum im ersten Jahr nach Verabschiedung des Gesetzes bundesweit erst 140 solcher Mieteranlagen entstanden. Thüringen habe deshalb zusammen mit Berlin einen Antrag im Bundesrat gestellt, das Gesetz zu reformieren.

Interesse steigt langsam

In Thüringen steige das Interesse an dem Mieterstrommodell langsam. Für die Förderung werde jetzt auch das Landesprogramm Solar-Invest genutzt, sagte Siegesmund. Ein erstes Projekt, das vom Land gefördert werde, sei eine 100 Quadratmeter große Solaranlage in Erfurt, die 30 Wohnungen und acht Gemeinschaftsräume mit Sonnenstrom versorgt. Sie ist am Dienstag (25. September) in Betrieb gegangen.

Die Stadtwerke Erfurt haben das Projekt umgesetzt. Das Thüringer Umweltministerium hatte die Planung des Musterprojekts über das Förderprogramm „Solar Invest“ mit 8000 Euro gefördert. Die neue PV-Anlage auf dem Dach der Wohnanlage „Auenhöfe“ produziert auf einer Fläche von circa 100 Quadratmeter rund 16 000 kWh sauberen Strom jährlich. Der Atmosphäre bleiben so rund 9500 Kilogramm CO2 erspart. Rein rechnerisch bräuchte es einen kleinen Wald von 760 Buchen, um diese CO2-Menge in einem Jahr zu kompensieren.

Derzeit liegen 22 Förderanträge vor

Nach Angaben des Umweltministeriums liegen 22 Förderanträge für Mieterstromanlagen über 247 000 Euro derzeit vor. Davon seien 12 bewilligt. In weiteren 20 Anträgen gehe es um finanzielle Unterstützung für Bürgerenergie-Genossenschaften.

Ziel sei es, dass auch Mieter vom Solarstrom vom Hausdach profitieren. Er sei günstiger als der Strom aus dem Netz, weil Netzentgelte, Konzessionsabgaben oder die Stromsteuer entfallen. Vermieter würden einen Zuschlag erhalten, wenn sie Solaranlagen zur Versorgung von Wohnungen installierten. Das Potenzial sei groß: In Thüringen gibt es laut Umweltministerium 85 000 Mehrfamilienhäuser mit 594 000 Wohnungen. (dpa/al)