Außenansicht des virtuellen Speichers: (von links) Alfred Pfender (Hochschule für Polizei), Daniel-Klaus Henne (Südweststrom), Klaus Frey (Vermögen und Bau BW) und Patrick Kruppa (Südweststrom). Bild: hcn

Signal für Flexibilisierung

Im Auftrag des Landes führt und optimiert Südweststrom den Betrieb eines bisher einmaligen virtuellen Stromspeichers in Biberach/Riss.

„Der Virtuelle Stromspeicher in Biberach hatSignalwirkung für den weiteren Ausbau unseres Geschäftsfeldes rund um die Flexibilität“, betont Südweststrom Geschäftsführer Daniel-Klaus Henne. Seit März dieses Jahres managt die Stadtwerke-Kooperation im Auftrag des Landes Baden-Württemberg die energiewirtschaftliche Betriebsführung und Optimierung des Pilotprojekts auf dem Gelände der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg. Mit einer ausgeklügelten Steuerungssoftware wird der virtuelle Stromspeicher anhand von Bedarfs- und Börsenpreisprognosen wirtschaftlich möglichst optimal gefahren. „Wir versprechen uns jährliche Betriebskosteneinsparungen gegenüber konventionellen Anlagen von rund 250 000 € sowie eine Reduzierung des Primärenergieverbrauchs von rund 40 %“, sagte Henne gestern Nachmittag in einem exklusiven Vor-Ort Termin mit der ZfK.

Wegweisend sei hierbei auch die Zusammenarbeit mit dem Land als Besitzer der Liegenschaft. An den Erlösen partizipiere die Südweststrom als Dienstleister anteilig. Grundlage des virtuellen Stromspeichers ist eine intelligent gesteuerte Kombination von zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) (je 400 kWel), elektrischen Wärmeerzeugern (Wärmepumpe 350 kWth, Elektrokessel 400 kWel), Solarabsorber (500 m2) und Warmwasserwärmespeichern.

Die BHKW werden stromgeführt gefahren. „Mit diesem hybriden BHKW kann der Wärmebedarf der Liegenschaft entweder mit dem erdgasbetriebenen BHKW oder alternativ durch den Einsatz von Überschussstrom aus dem öffentlichen Stromnetz über Wärmepumpe und Elektrokessel erzeugt werden“, erklärt Eberhard Frey, Leiter Ingenieurtechnik, Vermögen und Bau Baden Württemberg Amt Ulm. „Dadurch ist die Anlage jederzeit in der Lage dem öffentlichen Netz regenerativ erzeugten Überschussstrom zu entnehmen und bei Bedarf den im BHKW erzeugten Strom zurück zu speisen“, so der Baudirektor. Die Energiespeicherung erfolgt hierbei virtuell durch die Verwertung des Überschussstroms und der damit verbundenen Zwischenspeicherung von Erdgas. „Durch die intelligente Steuerung der Anlage können wir flexibel auf die jeweiligen Strommarktverhältnisse reagieren“, ergänzt Henne.

Bisher sei der Betrieb gut angelaufen, sagt Patrick Kruppa, Leiter Produktentwicklung bei Südweststrom. Belastbare Betriebsergebnisse lägen allerdings nach der ersten Winterperiode im kommenden Frühjahr vor. Das Vorhaben wurde vom Land Baden-Württemberg aufgrund seines bisher einmaligen Auslegung als Pilotprojekt mit 2,5 Mio. € gefördert. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die anvisierte Amortisierung in etwa acht bis zehn Jahren erreichen können“, unterstrich Frey.

Am 30. September lädt Südweststrom am Standort des virtuellen Stromspeichers auf dem Gelände der Hochschule für Polizei in Biberach/Riss zu einer Informationsveranstaltung zu „Hybriden Wärmeversorgungskonzepten als neue Geschäftsfelder“ ein. (hcn)