Starker Zubau im ersten Halbjahr

Windkraft: Durch Vorzieheffekte steigt der Zubau um 73 Prozent auf 2053 MW brutto im ersten Halbjahr.

Im ersten Halbjahr 2016 wurde in Deutschland eine Windenergie-Leistung von netto 1892 MW an Land zugebaut. Dies entspricht einem Zuwachs um 73 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 1093 MW. Nimmt man den Abbau hinzu, also die Leistung der im ersten Halbjahr ersetzten Anlagen von 161 MW, so ergibt sich ein Bruttozubau von 2053 MW. Dies erklärten die Verbände VDMA Power Systems und Bundesverband Windenergie (BWE) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin. Mit Blick auf die bereits genehmigten Projekte gehen VDMA und BWE von einem Volumen zwischen 4000 und 4400 MW netto für das Gesamtjahr aus.

Der starke Zubau im ersten Halbjahr 2016 ist vor allem durch Vorzieheffekte getrieben, so Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Bislang erfolgte die Degression immer zum Jahreswechsel. Von daher kam es zum Jahresende immer zu den Fertigstellungen. In der Regel wurde im ersten Halbjahr ein Drittel und im zweiten Halbjahr zwei Drittel der Jahresleistung zugebaut. Durch die Einführung einer Degression alle drei Monate hat man nun eine Angleichung des Zubaus über das Jahr erreicht.

"Der deutsche Markt konzentriert sich weniger stark auf die Küstenländer, sondern entfaltet sich zunehmend ausgeglichener. Die gute Entwicklung in typischen Binnenländern unterstreicht dies", so Hermann Albers, Präsident des BWE. So wurden 42 Prozent in den nördlichen Bundesländern, 35 Prozent in der Mitte des Landes und 21 Prozent in südlichen Ländern zugebaut. An der Spitze steht Niedersachsen mit einem Zubau von 421 MW oder 144 Anlagen. Als erfreulich stufte Albers die Ergebnisse der Länder Baden-Württemberg und Bayern ein, die mit 185 MW und 174 MW die Plätze fünf und sechs belegen. Enttäuscht hat das Land Sachsen mit einer Windanlage. "Sachsen ist das Sorgenkind. Hier ist es dringend notwendig, eine konstruktivere Politik zu betreiben", so Hermann Albers.

Für 2017 rechnet die Branche mit einem Zubau auf vergleichbarem Niveau wie in diesem Jahr. Ende Mai waren Projekte mit einem Volumen von etwa 3200 MW genehmigt. Ein großer Teil davon wird bis zum Ende dieses Jahres realisiert. Bis dahin erwarten Betreiber und Behörden einen weiteren Schub bei Genehmigungen. Denn wer sich noch vor dem Jahresende eine solche sichert und in 2017 oder 2018 baut, bekommt für den Strom noch gesetzlich definierte Vergütungssätze. Die Sonderdegression ab März 2017 und vor allem die verschärfte Degression ab dem darauf folgenden Oktober machen den Ausbau klar weniger attraktiv. Albers geht von einem Einbruch der Vergütung von 15 bis 25 Prozent aus.

"Wir werden zwar über das Jahr einen deutlich abnehmenden Neubau sehen, das hat aber voraussichtlich kaum Auswirkungen auf das Gesamtvolumen der Leistung, die 2017 installiert werden wird. Grund dafür ist, dass die sinkenden Vergütungen teilweise durch höhere Erträge der Anlagen kompensiert werden", sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Bekanntlich geht die Entwicklung weiter hin zu größeren Türmen und größeren Rotoren. Gerade die Fertigungen von größeren Rotoren, von ehemals 80 auf jetzt 150 Meter, habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Windkraftanlagen trotz permanenter Degression der Vergütung weiterhin Erträge abwerfen, so Herman Albers.

2018, also im zweiten Übergangsjahr, sei aber von einem deutlich niedrigeren Zubau auszugehen. Zelinger weiter: "Wir gehen davon aus, dass die allermeisten Ende 2016 genehmigten Projekte im Jahr 2017 realisiert und nicht an Ausschreibungen teilnehmen werden. Bekanntlich ist am 1. März 17 der Stichtag, an dem sich die Betreiber entscheiden müssen, ob sie ihre Projekte nach festem Vergütungsregime oder via Ausschreibung betreiben wollen. Am 1. Mai 17 soll dann die erste Ausschreibungsrunde stattfinden.

Die Hersteller richten sich mittlerweile schon auf ein vom EEG 2017 anvisiertes Marktvolumen von 2800 MW jährlich ein. Dabei dürfen aber Projekte, die trotz Zuschlag in der Ausschreibung nicht realisiert werden, das Ausbauvolumen nicht dauerhaft schmälern, so die Verbände. Diese Mengen müssten bei späteren Ausschreibungen berücksichtigt werden. Hermann Albers erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass bei den PV-Ausschreibungen lediglich bislang 27 Prozent der Projekte realisiert wurden. Bei internationalen Ausschreibungen habe man Raten von 50 Prozent.

Albers erwartet durch die Ausschreibungen eine völlig neue Bieterstruktur. Bislang wurde die Energiewende durch Bürgerenergiegenossenschaften getragen. Kleinere und mittlere Unternehmen hatten eine Anteil von 80 Prozent. Durch die Ausschreibungen erwartet er den Eintritt von großen internationalen Firmen, die die Risiken besser ausgleichen können. Mit jeder Ausschreibung werde sich auch die Zahl der Bieter reduzieren. Beispiele aus Brasilien hätten gezeigt, dass am Ende nur noch eine Handvoll Bieter übrig bliebe. Ähnlich verändere sich auch die Finanzierung. Vergaben bislang die Kredite lokale Volksbanken und Sparkassen, so werde jetzt die Finanzierung hin zu den weltweit agierenden Großbanken gehen. (al)