Stromausfall auf Finnisch

Am 16. April wurden genau 194 stromlose Kunden in zehn Gemeinden und in neun Netzen verzeichnet.

Detailansicht zur Darstellungen der einzelnen Netzbetreiber. Hier im Beispiel Savon Voima.

Unlängst haben die Innogy-Töchter ein erstes deutsches Stromausfall-Portal präsentiert. Finnland ist hier schon weiter: Solche Unterbrechungen werden nahezu in Echtzeit angezeigt – die Hilfe der Kunden ist nicht nötig.

Betreiber von Energieversorgungsnetzen müssen der Bundesnetzagentur gemäß § 52 des Energiewirtschaftsgesetzes bis zum 30. April eines Jahres über alle in ihrem Netz im letzten Kalenderjahr aufgetretenen Versorgungsunterbrechungen einen Bericht vorlegen. Dieser Bericht hat mindestens folgende Angaben für jede Versorgungsunterbrechung zu enthalten:

  1. den Zeitpunkt und die Dauer der Versorgungsunterbrechung,
  2. das Ausmaß der Versorgungsunterbrechung und
  3. die Ursache der Versorgungsunterbrechung.

Daraus ermittelt die Bundesnetzagentur den sogenannten SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index). Das ist ein Durchschnittswert je Letztverbraucher. Die so festgestellte Versorgungsqualität ist nach § 21 der Anreizregulierungsverordnung einer der Maßstäbe für die Höhe der Investitionen, die der Netzbetreiber zu tätigen hat.

SAIDI-Wert deckt nicht alles ab

2016 lag der  dieser Wert für die Niederspannung bei 2,10 Minuten, für die Mittelspannung bei 12,80 Minuten. Damit hat sich der Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 2006 in beiden Netzebenen verbessert; am deutlichsten auf der Mittelspannungsebene. Allerdings muss man berücksichtigen, dass mit dem SAIDI-Wert nur ungeplante Unterbrechungen berücksichtigt werden, die auf atmosphärische Einwirkungen, Einwirkungen Dritter, Zuständigkeit des Netzbetreibers und aus anderen Netzen rückwirkende Störungen zurückzuführen sind. Die Unterbrechung muss zudem länger als drei Minuten dauern.

Unberücksichtigt bleiben etwa Unterbrechungen aufgrund höherer Gewalt, wie etwa Naturkatastrophen. Mittlerweile steht mit www.stromausfall.de ein Portal zur Verfügung, das tagesaktuelle Betriebszustände der Stromnetze in Deutschland darstellt. Nutzer können sich hier informieren, wenn der Strom mal weg bleibt. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, selbst Störungen an eine Störungshotline zu melden. Denn ob der zuständige Netzbetreiber von dem Ausfall weiß, ist auf der Website für Besucher ebenfalls ersichtlich. (Mehr dazu unter: Erste Anlaufstelle für Stromausfälle in ganz Deutschland)

Finnland: Stromausfälle nahezu in Echtzeit auf Portal abgebildet

Damit folgt die deutsche Netzwirtschaft beispielsweise ihren Kollegen in Finnland, wo über 100 Netzbetreiber insgesamt circa 400 000 Kilometer Stromleitungen bewirtschaften. Dort werden Stromversorgungsunterbrechungen oder die landesweite Verfügbarkeit je Gemeinde und je Netzbetreiber nahezu in Echtzeit dargestellt und deswegen im Minutenabstand aktualisiert. Zu dem Zweck betreibt „Finnish Energy“ (Energieteollisuus – der Dachverband der finnischen Energiewirtschaft) eine Internetseite mit einer Stromunterbrechungskarte (http://www.sähkökatkokartta.fi/#/nyt).

Zum Zeitpunkt des Screenshots oben  (16. April) wurden genau 194 stromlose Kunden in zehn Gemeinden und in neun Netzen verzeichnet. Über die Auswahl „Gemeinde“ oder „Netzbetreiber“ können weitere Informationen abgerufen werden. Noch detaillierter sind die Darstellungen der einzelnen Netzbetreiber. So kann beispielsweise Savon Voima für sein Verteilnetz abschnittsweise und nach entsprechender Mausaktion des Nutzers neben der quantitativen Statistik auch die Art oder Ursache der Stromunterbrechung sowie die Ankündigung geplanter zukünftiger Unterbrechungen in Echtzeit ausgeben.

Vorbild Finnland
 
Grundlage für diese Informationsangebote sind geeignete Sensorik im Netz und deren Kommunikationsfähigkeit mit online-tauglichen Geo-Informationssystemen. Der Bedarf wiederum für diese Informationsangebote ergibt sich vor allem aus den Risiken in Betrieb und Nutzung der weitverzweigten, vielfach als Freileitung ausgeführten Netze, die insbesondere den Witterungseinflüssen wie Stürme, Eis und Schnee ausgesetzt sind. In Finnland kann ein Netzbetreiber nicht darauf warten, dass seine Kunden eine Stromunterbrechung melden. Mit Anwendung intelligenter Messsysteme und Smart Grid Komponenten sind auch die deutschen Netzbetreiber zunehmend besser in der Lage, den Betriebszustand ihrer Netze in Echtzeit zu überwachen. Bis sie allerdings die Informationsqualität ihrer finnischen Kollegen erreichen, wird noch die eine oder andere stromlose Minute ins Netz gehen.

Der Autor Bernd Mildebrath ist Geschäftsfeldentwickler bei Schleupen.