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Studie: Netzausbau trotz dezentraler Energieerzeugung notwendig

Auch wenn die Erzeugung erneuerbarer Energien in Deutschland dezentraler wird, sind die bis 2030 geplanten Stromtrassen nicht verzichtbar.

Im Auftrag der Renewable Grid Initiative (RGI) hat das Öko-Institut zehn Studien über die Dezentralität und Regionalisierung der Stromversorgung und die Bedeutung für den Stromnetzausbau analysiert. Fakt ist: Wenn die Regierung anstrebt, den Anteil der Erneuerbaren in den nächsten Jahren auf 65 Prozent und bis 2050 auf 85 Prozent zu erhöhen, ist ein Netzausbau trotz Dezentralisierung vorauszusetzen.

Regionale Potenziale für die Energiewende überschätzt

Schon allein die ungleichen Verteilung von Potenzialen für die Erzeugung von regenerativen Energien, macht die Versorgung von großen Ballungsräumen nur allein durch eine dezentrale und verbrauchsnahe Stromerzeugung unmöglich. Die untersuchten Studien, die einen geringeren Netzausbaubedarf errechnen, gehen von einem massiven Zubau von Windkraftanlagen im Süden und Westen Deutschlands aus. Im Vergleich zur derzeitigen Planung wird von zwei- bis sogar vier Mal höhere Zubauzahlen ausgegangen. Das würde aber einen deutlich höheren Flächenbedarf bei wetterbedingt geringer Auslastung der Anlagen bedeuten, sowie zusätzliche Kosten für die Zuschaltung von gasbasierten Kraftwerken als Backup-Kapazität. Werden kostenintensiven Folgen und der Emissionsumfang der Kraftwerkskopplung berücksichtigt, erscheint die Dezentralisierung als Alternative zum Netzausbau fraglich.

Deutlich mehr Akzeptanz des Windkraftausbaus notwendig

Darüber hinaus spielt auch die politische und öffentliche Akzeptanz der Energiewende eine Rolle beim Ausbau regionaler Potenziale. So belief sich der Zubau von Windkraftanlagen in Bayern vergangenes Jahr nur auf vier Anträge. Eine Folge der von der Landesregierung eingeführten 10H-Regel. Demnach muss ein Windrad mindestens das Zehnfache der Bauhöhe von der nächsten Wohnsiedlung entfern sein.

Flexibilitätsoptionen sind entscheidend für Dezentralisierung

Selbst wenn die verbrauchsnahe Energieerzeugung weiter ausgebaut wird, spielen für die dezentrale Versorgung Flexibilitätsoptionen eine große Rolle, um Energie wetterunabhängig ins Netz einspeisen zu können. Solange keine verbrauchsnahen Flexibilitätsoptionen ausreichend zur Verfügung stehen, bleibt die Vernetzung von verbrauchsfernen Speichern oder anderen Regelleistungsanbietern im Bedarfsfall bestehen.

Liberale Marktpolitik braucht zentrale Vernetzung

In Anbetracht eines liberalen Stromarktes entscheidet der Preis über den Einsatz von Flexibilitätsoptionen. Jenseits der Eigenverbrauchsoptimierung könnte eine bevorzugte Nutzung nur durch eine restriktive Infrastrukturbepreisung erreicht werden oder über eine Abschottung regionaler Märkte. Im Rahmen des Binnenmarktes fehlen für die Realisierung regionaler Märkte bzw. kleinräumiger Marktsteuerungsansätze jedoch entsprechende rechtliche Grundlagen und eine großräumige Vernetzung bleibt notwendig. (ls)